FAQ - häufig gestellte Fragen

Das Wichtigste im Schnellüberblick

Fragen zu:

#Limited Liability Company (LLC)

Welche Geschäftsmodelle lehnen Banken bei LLCs ab?

Ablehnungen bei der Kontoeröffnung haben häufig einen banalen Grund: Der Geschäftszweck der LLC ist nicht klar definiert oder so vage formuliert, dass die Bank nicht nachvollziehen kann, womit die Gesellschaft ihr Geld verdient. Bevor eine Bank ein Konto eröffnet, muss sie verstehen, woher die Einnahmen stammen – das ist keine Willkür, sondern gesetzliche Pflicht im Rahmen der AML/KYC-Vorschriften. Wer bei der Frage nach dem Geschäftszweck mit „Handel“ oder „Beratungsdienstleistungen“ antwortet, ohne das weiter zu spezifizieren, sollte sich über eine Rückfrage oder Ablehnung nicht wundern.

Das Problem hat seinen Ursprung oft schon bei der Gründung: Anders als etwa bei einer GmbH in Deutschland muss der Geschäftszweck bei der Gründung nicht zwingend präzise angegeben werden. In den Articles of Organization findet sich deshalb häufig nur die pauschale Formulierung „Any lawful business“ – also sinngemäß: alles, was legal ist. Das ist gesellschaftsrechtlich vollkommen zulässig, kann aber bei der Kontoeröffnung zum Problem werden. Besser ist es, bereits im Gründungsdokument eine konkrete Beschreibung der Geschäftstätigkeit einzutragen – das erleichtert nicht nur das Onboarding bei der Bank, sondern vermeidet auch unnötige Rückfragen.

Davon abgesehen gibt es Branchen und Tätigkeiten, bei denen selbst eine glasklare Beschreibung nicht hilft – weil Banken diese Geschäftsmodelle grundsätzlich nicht als Kunden akzeptieren:

  • Kryptowährungen: Alles rund um den Handel, die Verwahrung oder die Vermittlung von Kryptowährungen gilt bei den meisten Banken als hochriskant. Fintechs wie Mercury sind hier etwas offener, aber auch dort gibt es Grenzen.
  • Handel mit Cannabis: Trotz zunehmender Legalisierung in einzelnen US-Bundesstaaten bleibt Cannabis auf Bundesebene illegal – und Banken operieren auf Bundesebene. Ein Konto für eine Cannabis-LLC zu eröffnen, ist selbst in liberalen Staaten äußerst schwierig.
  • Glücksspiel und Online-Gaming: Online-Glücksspiel ist in den USA bundesrechtlich stark reguliert und für Banken ein rotes Tuch – unabhängig davon, ob die Tätigkeit im jeweiligen Bundesstaat legal ist.
  • Erwachsenenunterhaltung: Adult Content jeder Art führt bei den meisten Banken zur sofortigen Ablehnung.
  • Waffen und Munition: Der Handel mit Schusswaffen, Munition oder militärischer Ausrüstung gilt als hochriskant und wird von vielen Banken grundsätzlich abgelehnt.
  • Money Service Businesses (MSB): Wer selbst Zahlungsdienstleistungen anbietet, Geld überweist oder als Wechselstube operiert, fällt unter die MSB-Regulierung und bekommt bei Standardbanken in der Regel kein Konto.
  • Multi-Level-Marketing (MLM): Strukturvertrieb und Networkmarketing gelten als risikoreich und werden von vielen Banken abgelehnt oder zumindest sehr kritisch geprüft.
  • Länder mit Sanktionen: Wer Geschäfte mit sanktionierten Ländern oder Personen auf OFAC-Listen betreibt – oder auch nur plant –, hat bei jeder seriösen Bank keine Chance.

Darüber hinaus gibt es weitere Geschäftsmodelle, die zwar nicht per se verboten sind, bei Banken aber ebenfalls regelmäßig auf Skepsis stoßen:

  • Affiliate-Marketing und Influencer-Projekte: Vor allem wenn Einnahmen aus vielen kleinen internationalen Quellen stammen oder Zahlungen über Drittplattformen abgewickelt werden. Banken sehen hier ein erhöhtes Geldwäsche- und Steuervermeidungsrisiko.
  • Dropshipping und E-Commerce mit unklarer Lieferkette: Fehlt die Transparenz über Lieferanten oder stammt die Ware aus Hochrisikoländern, blockieren viele Banken diese Modelle.
  • Finanzberatung und unlizenzierte Investment-Dienste: Eine LLC, die in irgendeiner Form fremdes Kapital verwaltet oder Finanzprodukte vermittelt, fällt schnell unter die Regulierung der SEC oder FinCEN – Banken reagieren hier mit ausgeprägter Vorsicht.
  • High-Risk E-Commerce: Nahrungsergänzungsmittel, CBD-Produkte oder kosmetisch-medizinische Artikel gelten trotz Legalität als restricted businesses – vor allem wegen erhöhter Rückbuchungs- und Haftungsrisiken.
  • Charity- und Spendenprojekte: Wenn der Verwendungszweck von Geldern nicht klar nachvollziehbar ist, lehnen Banken häufig ab – besonders bei internationalen Überweisungen.
  • Social-Media-Plattformen und Dating-Apps: Sobald nutzergenerierte Inhalte möglich sind, prüfen Banken sehr genau auf Content- und Haftungsrisiken.

Das gemeinsame Muster hinter all diesen Ablehnungen: Banken wollen berechenbare, klar nachvollziehbare Geschäftsmodelle mit geringer regulatorischer oder reputationsbezogener Gefahr. Alles, was nach grauer Zone klingt, neu und noch unreguliert ist oder komplexe internationale Zahlungsströme erzeugt, führt schnell zur Ablehnung – unabhängig davon, ob die Tätigkeit legal ist.

Wer mit seinem Geschäftsmodell bei regulären Banken und Fintechs nicht weiterkommt, ist nicht zwingend ohne Optionen. Es gibt spezialisierte Anbieter – sogenannte High-Risk Merchant Account Provider –, die sich bewusst auf risikobehaftete Branchen ausgerichtet haben. Bekannte Namen in diesem Segment sind etwa PaymentCloud, Bankful oder Durango Merchant Services. Diese bieten zwar kein klassisches Geschäftskonto, ermöglichen aber die Abwicklung von Kartenzahlungen, ACH-Transaktionen und in manchen Fällen auch Kryptowährungen.Der Preis dafür ist spürbar: Transaktionsgebühren von 3–6 % sind in diesem Segment üblich, dazu kommen oft Rolling Reserves – das bedeutet, ein Teil jeder Transaktion wird vorübergehend einbehalten, um potenzielle Rückbuchungen abzusichern – sowie strengere Vertragsbedingungen.

Für Cannabis-Unternehmen in legalisierten Bundesstaaten gibt es darüber hinaus vereinzelt spezialisierte Credit Unions und Anbieter wie Flowhub Pay, die explizit für diese Branche entwickelt wurden – allerdings meist ohne Kreditkartenzahlung, da Cannabis auf Bundesebene illegal bleibt und die großen Kartennetzwerke Visa und Mastercard entsprechende Transaktionen blockieren.

Eine weitere Option, die vor allem für europäische Unternehmer mit schwierigeren Geschäftsmodellen interessant ist: litauische E-Geld-Institute (Electronic Money Institutions, EMIs). Nach dem Brexit hat sich Litauen zum führenden Fintech-Standort innerhalb der EU entwickelt und beherbergt inzwischen über 70 lizenzierte EMIs – darunter bekannte Namen wie Paysera. Diese Institute sind gegenüber internationalen Kunden und komplexeren Geschäftsmodellen deutlich offener als klassische Banken, operieren dabei aber trotzdem im regulierten EU-Rahmen. Wer also bei Mercury oder Wise nicht weiterkommt, findet hier unter Umständen eine Alternative.

Allerdings gilt auch hier: Die litauische Zentralbank hat zuletzt mehrere EMI-Lizenzen wegen Verstößen gegen Geldwäschevorschriften entzogen und die Aufsicht spürbar verschärft. Der Ruf Litauens als besonders unkomplizierter Standort gilt also nicht mehr uneingeschränkt – die Anforderungen steigen auch dort.

Ähnliche Fragen:

Sie haben mehr Fragen?

Gerne beantworten wir Ihnen diese in einem persönlichen Gespräch. Rufen Sie uns dazu einfach an, chatten Sie mit uns oder senden Sie uns eine Email.

Freecall DE/AT: 0800 400 43 40
Freecall CH: 0800 400 43 4
+1 929 2364 627
info@easy-inc.com

FAQ Kategorien: