Lexikon

Begriffe einfach erklärt – von A bis Z

Duty of Care (Sorgfaltspflicht)

Die Duty of Care ist eine der beiden zentralen Treuepflichten, die ein Director im US-amerikanischen Gesellschaftsrecht gegenüber der Corporation und ihren Shareholdern hat. Sie bedeutet, dass Directors ihre Entscheidungen mit der nötigen Sorgfalt, Umsicht und Informiertheit treffen müssen.

Inhalt der Duty of Care

Die Sorgfaltspflicht umfasst insbesondere:

  • Informiert entscheiden: Directors müssen sich über die relevanten Fakten informieren, bevor sie eine Entscheidung treffen.
  • Angemessene Sorgfalt anwenden: Entscheidungen müssen so getroffen werden, wie es eine „vernünftige und gewissenhafte Person in vergleichbarer Position“ tun würde.
  • Regelmäßige Überwachung: Directors müssen sich regelmäßig mit den Geschäften der Corporation befassen und dürfen keine „blinde Handlungsweise“ an den Tag legen.
  • Delegation nur in engen Grenzen: Aufgaben dürfen zwar an Officers oder externe Berater delegiert werden, die Verantwortung für die sorgfältige Überwachung bleibt aber beim Board.

Zusammenhang mit der Business Judgment Rule

Die Business Judgment Rule ist ein Grundsatz des US-Gesellschaftsrechts, der Directors und Managern Schutz vor persönlicher Haftung bietet, wenn sie unternehmerische Entscheidungen in guter Absicht und mit der gebotenen Sorgfalt treffen – auch wenn sich diese Entscheidungen später als falsch herausstellen.

Die Business Judgment Rule schützt Directors vor persönlicher Haftung, solange sie ihre Duty of Care erfüllen.

Das bedeutet: Gerichte überprüfen Geschäftsentscheidungen nicht im Nachhinein auf „Richtigkeit“, sondern nur darauf, ob sie auf einer informierten und sorgfältigen Entscheidungsfindung beruhen. Ein Director haftet also nicht für eine wirtschaftlich schlechte Entscheidung, wenn er oder sie zuvor alle verfügbaren Informationen eingeholt und in gutem Glauben gehandelt hat.

Abgrenzung zur Duty of Loyalty

Die Duty of Care ist von der zweiten zentralen Treuepflicht zu unterscheiden:

  • Duty of Care: Sorgfältig und informierte Entscheidungen treffen.
  • Duty of Loyalty: Loyal im Interesse der Corporation handeln, keine Interessenkonflikte oder Eigengeschäfte.

Beide Pflichten zusammen bilden die Grundlage für die persönliche Verantwortung von Directors.

Anwendung auf Officers

Die Treuepflichten gelten nicht nur für Directors, sondern auch für Officers (z. B. President/CEO, Treasurer/CFO, Secretary).

Das hat der Oberste Gerichtshof von Delaware im Urteil Gantler v. Stephens (2009) ausdrücklich klargestellt:

„Officers owe the same fiduciary duties as directors.“

Damit sind Officers ebenso verpflichtet,

  • Entscheidungen sorgfältig und informiert zu treffen (Duty of Care)
  • und im besten Interesse der Gesellschaft zu handeln, ohne Eigennutz oder Interessenkonflikte (Duty of Loyalty)

Für Gründer bedeutet das: Auch wenn man „nur“ als Officer tätig ist, ohne Director zu sein, können Verstöße gegen die fiduciary duties zu persönlicher Haftung führen.

Beispiele aus der Praxis

Positivbeispiel: Das Board prüft vor einer Unternehmensübernahme mehrere Gutachten, lässt sich von Anwälten beraten und dokumentiert die Entscheidungsgrundlage sorgfältig. → Die Duty of Care ist erfüllt, auch wenn die Übernahme später wirtschaftlich scheitert.

Negativbeispiel: Directors genehmigen einen riskanten Kredit, ohne die Finanzzahlen zu prüfen oder Rücksprache mit dem CFO zu halten. → Verletzung der Duty of Care, potenzielle persönliche Haftung.

Bedeutung für Gründer

Auch bei kleinen Corporations mit nur einem oder wenigen Directors gilt die Duty of Care. Wer selbst als Director tätig ist, sollte daher:

  • Entscheidungen dokumentieren (z. B. Board Resolutions, Protokolle von Meetings)
  • Sich ausreichend informieren, bevor er/sie wichtige Maßnahmen beschließt
  • Im Zweifel Fachleute (Anwälte, Steuerberater) hinzuziehen

Das klingt nach Formalismus, ist aber entscheidend, um sich auf die Business Judgment Rule berufen zu können und Haftungsrisiken zu vermeiden.

Duty of Care bei LLCs

Grundsätzlich gilt auch bei Managern einer LLC eine Duty of Care (Sorgfaltspflicht) und eine Duty of Loyalty (Loyalitätspflicht). Im Gegensatz zur Corporation sind diese Pflichten jedoch nicht so starr gesetzlich vorgeschrieben, sondern stark vom jeweiligen State Law (z. B. Delaware LLC Act, New York LLC Law) und vom Operating Agreement abhängig.

Unterschiede zur Corporation:

  • Corporation: Duty of Care und Duty of Loyalty sind Kernpflichten jedes Directors – nur in engen Grenzen abdingbar
  • LLC: Sehr viel Vertragsfreiheit. Treuepflichten gelten zwar grundsätzlich, können aber durch das Operating Agreement erheblich verändert werden

Sorgfaltspflicht in LLCs:

  • Manager müssen Entscheidungen ebenfalls mit der gebotenen Sorgfalt und Umsicht treffen
  • Sie haften, wenn sie grob fahrlässig oder vorsätzlich schaden
  • In vielen Bundesstaaten kann die Duty of Care im Operating Agreement stark eingeschränkt oder sogar ausgeschlossen werden (z. B. Delaware)
  • Gründer können vereinbaren, dass Manager nur bei „gross negligence“ (grober Fahrlässigkeit) oder „willful misconduct“ (vorsätzlichem Fehlverhalten) haften

Treuepflicht in LLCs:

Manager sollen im besten Interesse der LLC handeln, keine „corporate opportunities“ für sich selbst ausnutzen und Interessenkonflikte offenlegen. Auch hier erlaubt das Operating Agreement in vielen Staaten, diese Pflicht zu modifizieren oder einzuschränken

Praxis-Tipp für LLC-Gründer:innen:

Wer eine LLC gründet, sollte im Operating Agreement klar regeln, welche Sorgfalts- und Loyalitätspflichten Manager (oder auch Member bei Member-managed LLCs) tatsächlich haben Gerade bei mehreren Gesellschaftern kann eine präzise Definition helfen, Streit und Haftungsfragen zu vermeiden

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