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Alles Wichtige verständlich und kompakt erläutert
Wer eine US-Gesellschaft gründet, muss sich früher oder später mit der Frage auseinandersetzen, wer welche Rolle in der Firma übernimmt. Bei einer LLC ist das deutlich flexibler geregelt als bei einer Corporation, wo die Führungsstruktur gesetzlich weitgehend vorgegeben ist. Beide Rechtsformen unterscheiden sich hier erheblich, was bei der Wahl der passenden Gesellschaftsform durchaus eine Rolle spielen kann.
Bei 1-Mann-Gesellschaften liegt der Fall ganz einfach: Der einzige Inhaber (Member) führt die LLC auch und ist damit gleichzeitig der Geschäftsführer (Manager). Auch wenn weitere Mitstreiter dazu kommen, fungieren diese in der Regel sowohl als Member als auch als Manager. Die typische LLC ist damit eine Gesellschaft, bei der alle Beteiligten operativ im Geschäft tätig sind und gemeinsam die Entscheidungen treffen – vergleichbar mit einer Partnerschaft oder einer kleinen GbR in Deutschland.
Diese Struktur wird als member-managed bezeichnet und stellt den gesetzlichen Regelfall dar. In den meisten Bundesstaaten wird automatisch davon ausgegangen, dass alle Members gleichberechtigt an der Führung beteiligt sind, sofern im Operating Agreement nichts anderes vereinbart wurde. Für die meisten kleineren LLCs ist diese Struktur auch die praktischste Lösung: Sie vermeidet unnötige Komplexität, ermöglicht schnelle Entscheidungen und entspricht der tatsächlichen Arbeitsweise im Unternehmen.
Anders sieht es aus, wenn passive Investoren mit ins Boot kommen oder wenn das Gründerteam externe Manager mit spezieller Expertise engagieren möchte. In solchen Fällen bietet sich die manager-managed Struktur an, bei der die operative Führung auf einen kleineren Kreis konzentriert wird.
Bei dieser Variante übernehmen bestimmte Manager die Geschäftsführung, während die übrigen Members eine passive Rolle einnehmen. Die Manager können dabei entweder aus dem Kreis der Members stammen – etwa wenn zwei von fünf Beteiligten das operative Geschäft führen – oder es können auch Außenstehende sein, die nicht am Kapital der LLC beteiligt sind.
Die manager-managed Struktur schafft eine klare Trennung zwischen Eigentum und Geschäftsführung. Passive Members investieren ihr Kapital und profitieren von den Gewinnen, müssen sich aber nicht um das Tagesgeschäft kümmern. Gleichzeitig wird für Geschäftspartner klar, wer befugt ist, die LLC zu vertreten und Verträge abzuschließen.
Wie die Management-Struktur konkret ausgestaltet wird, definiert das Operating Agreement. Dieses zentrale Dokument entspricht dem Gesellschaftsvertrag und regelt alle wesentlichen Aspekte der inneren Organisation.
Zunächst muss festgelegt werden, ob die LLC member-managed oder manager-managed geführt wird. Diese grundsätzliche Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für die Vertretungsbefugnis nach außen: Bei einer member-managed LLC ist jeder Member automatisch vertretungsberechtigt, während bei der manager-managed Struktur nur die Manager die Gesellschaft nach außen vertreten dürfen.
Bei einer manager-managed LLC sind weitere Details zu klären: Wie viele Manager gibt es? Wer ernennt und kann sie abberufen? Welche konkreten Befugnisse haben sie? Können Manager Entscheidungen allein treffen, oder sind sie auf Zustimmung der Members oder anderer Manager angewiesen?
Auch die Entscheidungsprozesse müssen definiert werden. Bei welchen Angelegenheiten können Manager selbstständig handeln? Wann braucht es einen Beschluss aller Members? Wie werden Beschlüsse gefasst – einstimmig, mit einfacher oder qualifizierter Mehrheit? Haben alle Members das gleiche Stimmrecht, oder gibt es unterschiedliche Gewichtungen entsprechend der Kapitalanteile?
Die Vertretungsbefugnis nach außen verdient besondere Aufmerksamkeit. Können Manager einzeln handeln, oder sind für bestimmte Geschäfte – etwa Immobilienkäufe oder Kreditaufnahmen – mehrere Unterschriften erforderlich? Gibt es Vollmachten für einzelne Bereiche wie Bankgeschäfte oder Personaleinstellungen?
Die Wahl zwischen member-managed und manager-managed hat konkrete rechtliche Auswirkungen, die über die interne Organisation hinausgehen.
Bei einer member-managed LLC können sich Geschäftspartner darauf verlassen, dass jeder Member befugt ist, im Namen der LLC zu handeln. Banken verlangen deshalb bei wichtigen Geschäften oft die Unterschrift aller Members oder einen Beschluss, der einen bestimmten Member bevollmächtigt.
Bei der manager-managed Struktur hingegen sind ausschließlich die Manager vertretungsberechtigt. Members ohne Manager-Funktion können die LLC nicht nach außen vertreten, auch wenn sie Mehrheitsgesellschafter sind. Diese klare Abgrenzung schützt passive Investoren davor, für Handlungen anderer Members zu haften, und gibt Dritten Rechtssicherheit.
In der Praxis verlangen Banken und andere Institutionen eine LLC Resolution oder ein Manager's Certificate, aus dem die Vertretungsbefugnis hervorgeht. Bei Vertragsabschlüssen, Kontoeröffnungen oder Immobiliengeschäften muss nachgewiesen werden, wer zeichnungsberechtigt ist.
Die member-managed Struktur passt für die meisten kleineren LLCs, bei denen alle Beteiligten aktiv im Geschäft tätig sind. Sie ist unkompliziert, entspricht der Realität und vermeidet unnötigen Verwaltungsaufwand. Gründer, die gemeinsam ein Unternehmen aufbauen und sich die Arbeit teilen, brauchen keine komplexe Führungsstruktur.
Die manager-managed Struktur wird relevant, sobald passive Investoren ins Spiel kommen. Wer Kapital einbringt, aber nicht operativ tätig sein will oder kann, sollte nicht automatisch vertretungsberechtigt sein. Auch bei größeren LLCs mit mehreren Members kann es sinnvoll sein, die Geschäftsführung zu konzentrieren, um Entscheidungsprozesse zu straffen und operative Verantwortlichkeiten klar zuzuordnen.
Externe, nicht am Kapital beteiligte Manager kommen vor allem dann in Betracht, wenn spezielle Fachkenntnisse gefragt sind oder wenn die Members selbst nicht in den USA ansässig sind und vor Ort jemanden brauchen, der das Geschäft führt.
Die Management-Struktur ist nicht in Stein gemeißelt. Wenn sich die Inhaberstruktur ändert oder das Unternehmen wächst, kann die Führungsorganisation angepasst werden. Ein aktiver Member, der sich zurückziehen möchte, kann seine Manager-Funktion abgeben, ohne seine Beteiligung aufgeben zu müssen. Umgekehrt kann eine member-managed LLC zur manager-managed Struktur wechseln, wenn neue Investoren hinzukommen.
Solche Änderungen erfordern eine entsprechende Anpassung des Operating Agreement. Geschäftspartner und Banken sollten über Änderungen in der Vertretungsbefugnis informiert werden, um Unklarheiten zu vermeiden.
Bei einer Corporation sieht die Sache grundlegend anders aus. Hier gibt das Gesellschaftsrecht eine klare hierarchische Struktur vor, die aus drei Ebenen besteht: den Shareholders (Aktionären) als Eigentümern, dem Board of Directors (Verwaltungsrat) als Aufsichts- und Kontrollorgan, und den Officers (leitenden Angestellten) als operativer Geschäftsführung.
Diese Dreiteilung ist in den Business Corporation Acts der Bundesstaaten verankert und kann nicht beliebig abgeändert werden. Anders als bei der LLC haben Gründer einer Corporation also nicht die Wahl, ob sie eine solche Struktur haben möchten – sie müssen sie haben.
An der Spitze stehen formal die Shareholders. Sie sind die Eigentümer der Corporation und halten die Aktien. Die Shareholders wählen das Board of Directors und entscheiden über grundlegende Angelegenheiten wie Satzungsänderungen, die Auflösung der Gesellschaft oder größere Transaktionen wie Fusionen. Im Tagesgeschäft haben sie aber nichts zu sagen.
Das Board of Directors bildet die mittlere Ebene. Die Directors werden von den Shareholders gewählt und haben die Aufgabe, die Geschäfte der Corporation zu überwachen und die strategische Richtung vorzugeben. Sie ernennen und überwachen die Officers, genehmigen größere Geschäfte und Budgets, und treffen grundsätzliche Unternehmensentscheidungen. Das Board trifft sich in der Regel in regelmäßigen Abständen zu förmlichen Sitzungen, deren Beschlüsse protokolliert werden müssen.
Die Officers schließlich führen das operative Geschäft. Sie sind die tatsächlichen Geschäftsführer der Corporation und werden vom Board ernannt. Welche Officer-Positionen es geben muss, variiert von Bundesstaat zu Bundesstaat, typischerweise sind aber folgende Ämter vorgesehen:
Der President oder CEO (Chief Executive Officer) ist der oberste Geschäftsführer und leitet das Tagesgeschäft. Er vertritt die Corporation nach außen und setzt die Vorgaben des Board um.
Der Secretary ist für die Protokollierung von Board- und Shareholder-Beschlüssen zuständig, verwaltet die Unternehmensdokumentation und sorgt dafür, dass gesetzliche Anforderungen eingehalten werden. Diese Position ist in fast allen Bundesstaaten zwingend vorgeschrieben.
Der Treasurer oder CFO (Chief Financial Officer) kümmert sich um die Finanzen, führt die Bücher und überwacht Ein- und Ausgaben.
Manche Bundesstaaten verlangen zusätzlich einen Vice President, andere kommen mit President und Secretary aus. Die genauen Anforderungen finden sich im jeweiligen Business Corporation Act.
Nun könnte man meinen, diese mehrschichtige Struktur sei nur für größere Unternehmen praktikabel. Das ist aber nicht der Fall, denn eine Person kann durchaus mehrere oder sogar alle Positionen gleichzeitig innehaben.
Bei einer 1-Mann-Corporation ist der Gründer typischerweise alleiniger Shareholder, einziges Mitglied des Board of Directors, und bekleidet alle Officer-Positionen – President, Secretary und Treasurer in Personalunion. Diese Ämterkumulation ist in den meisten Bundesstaaten ausdrücklich erlaubt. Nur wenige Staaten verlangen, dass bestimmte Ämter von verschiedenen Personen besetzt werden müssen, etwa dass President und Secretary nicht identisch sein dürfen.
Auch bei Corporations mit mehreren Gründern ist es üblich, dass die Shareholders gleichzeitig im Board sitzen und zusätzlich als Officers fungieren. Ein typisches Setup bei einer kleinen Corporation mit drei Gründern wäre: Alle drei sind Shareholders und Directors, einer übernimmt die Rolle des President, ein anderer die des Secretary, der dritte die des Treasurer.
Entscheidend ist, dass die formalen Positionen besetzt sind und die entsprechenden Beschlüsse protokolliert werden. Ob dahinter drei verschiedene Personen oder ein und dieselbe stehen, spielt rechtlich keine Rolle – solange der jeweilige Bundesstaat das zulässt.
Die Details der organisatorischen Struktur werden in den Bylaws festgelegt. Dieses Dokument entspricht der Satzung und regelt unter anderem:
Die Bylaws werden vom Board of Directors erlassen und können auch von diesem geändert werden, sofern in den Articles of Incorporation nichts anderes bestimmt ist. Sie sind ein internes Dokument und müssen nicht bei der Registrierungsbehörde eingereicht werden.
Der Preis für die klare Struktur einer Corporation sind die damit verbundenen Formalitäten. Das Board muss regelmäßig tagen, Beschlüsse müssen protokolliert werden, wichtige Entscheidungen erfordern förmliche Resolutions. Auch wenn bei einer kleinen Corporation alle Positionen von denselben Personen besetzt sind, müssen die verschiedenen Hüte getragen werden.
Wird etwa ein wichtiger Vertrag abgeschlossen, dann kann nicht einfach der Inhaber unterschreiben – es muss der President oder ein anderer bevollmächtigter Officer unterschreiben, idealerweise mit einem entsprechenden Board-Beschluss im Rücken. Werden solche Formalitäten über längere Zeit ignoriert, kann das im Streitfall dazu führen, dass die Haftungsbeschränkung der Corporation durchbrochen wird (Piercing the Corporate Veil).
Der wesentliche Unterschied zwischen LLC und Corporation liegt weniger darin, ob passive Investoren möglich sind – die sind bei beiden Rechtsformen realisierbar. Der Unterschied liegt in der Art und Weise, wie die Organisation strukturiert sein muss.
Bei der LLC können die Gründer die Struktur weitgehend frei gestalten. Wer eine simple 1-Mann-LLC gründet, braucht keine förmlichen Organe, keine Meetings, keine Protokolle. Alles kann informell laufen. Erst wenn die Struktur komplexer wird, empfiehlt sich eine formalisierte Organisation.
Bei der Corporation ist die Struktur von Anfang an vorgegeben. Selbst eine 1-Mann-Corporation muss die formale Dreiteilung in Shareholders, Board und Officers haben, muss Board Meetings abhalten und protokollieren. Diese Formalitäten lassen sich nicht wegdiskutieren – sie sind Teil der Rechtsform.
Für Gründer, die einfach nur loslegen wollen ohne sich mit Corporate Governance zu beschäftigen, ist die LLC deshalb oft die praktischere Wahl. Wer dagegen eine Struktur braucht, die Investoren kennen und die sich später leicht skalieren lässt – etwa mit Blick auf ein späteres Investment oder einen Börsengang – ist mit der Corporation unter Umständen besser bedient, auch wenn das mehr Verwaltungsaufwand bedeutet.
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