Lexikon
Begriffe einfach erklärt – von A bis Z
Der Charitable Trust ist eine Vermögensstruktur für gemeinnützige Zwecke, die auf dem angelsächsischen Common Law beruht. Im Gegensatz zur Nonprofit Corporation oder Foundation handelt es sich beim Trust nicht um eine eigenständige juristische Person, sondern um ein Rechtsverhältnis, in dem ein Trustee (Treuhänder) Vermögen im eigenen Namen hält und für gemeinnützige Zwecke verwaltet.
Das Trust-Konzept ist dem deutschen, österreichischen und schweizerischen Recht fremd. In den kontinentaleuropäischen Rechtssystemen, die auf dem Civil Law basieren, gibt es keine vergleichbare Konstruktion. Wer in Deutschland Vermögen für gemeinnützige Zwecke binden will, gründet eine Stiftung oder einen Verein – beides sind eigenständige juristische Personen mit Organen und formalen Strukturen. Der angelsächsische Trust funktioniert grundlegend anders.
Trusts existieren in allen Common-Law-Ländern. Das Konzept entstand im mittelalterlichen England und verbreitete sich von dort in alle Länder mit angelsächsischem Rechtssystem: neben den USA auch in UK, Kanada (außer Québec mit französischem Zivilrecht), Australien, Neuseeland, Irland, Singapur und Hongkong.
Ein Trust entsteht, wenn eine Person (der Settlor oder Grantor) Vermögen an einen Trustee überträgt, mit der rechtlich verbindlichen Verpflichtung, dieses Vermögen für bestimmte Zwecke oder Begünstigte (Beneficiaries) zu verwalten. Der Trustee wird als rechtlicher Eigentümer des Vermögens bezeichnet, muss es jedoch gemäß den Anweisungen im Trust Agreement verwalten. Es kann es nicht für sich selbst nutzen.
Verstößt der Trustee gegen diese Treuepflicht – etwa indem er Geld aus dem Trust für private Zwecke entnimmt oder unzulässige Investments tätigt –, haftet er persönlich. Er muss alle Verluste ersetzen, kann vom Gericht abgesetzt werden und riskiert bei schwerem Missbrauch auch eine strafrechtliche Verfolgung wegen Unterschlagung oder Betrugs. Die Beneficiaries können den Trustee verklagen, und ein Gericht kann anordnen, dass unrechtmäßig erworbenes Vermögen an den Trust zurückgegeben wird.
An einem Trust sind drei Parteien beteiligt:
Settlor/Grantor: Die Person, die den Trust errichtet und das Vermögen einbringt. Nach der Übertragung hat der Settlor in der Regel keine Kontrolle mehr über das Vermögen – es sei denn, das Trust Agreement sieht etwas anderes vor.
Trustee: Die Person oder Institution, die das Vermögen verwaltet. Der Trustee ist rechtlicher Eigentümer, kann Verträge abschließen, Immobilien verkaufen, Aktien handeln – aber nur im Rahmen der im Trust Agreement festgelegten Pflichten. Der Trustee handelt treuhänderisch und ist den Beneficiaries gegenüber rechenschaftspflichtig.
Beneficiaries: Die Begünstigten, für die das Vermögen verwaltet wird. Bei einem Charitable Trust sind das keine Einzelpersonen, sondern gemeinnützige Zwecke – etwa „Förderung der Bildung benachteiligter Kinder“ oder „Unterstützung der medizinischen Forschung“.
Beispiel: Ein wohlhabender Unternehmer errichtet einen Trust mit 5 Millionen Dollar. Er überträgt das Geld an eine Bank als Trustee. Das Trust Agreement legt fest, dass die Erträge aus dem Vermögen jährlich an Organisationen verteilt werden sollen, die sich um obdachlose Jugendliche kümmern. Die Bank verwaltet das Vermögen, legt es an und verteilt die Erträge gemäß den Vorgaben. Der Unternehmer (Settlor) hat nach der Errichtung keine Kontrolle mehr, die Bank (Trustee) ist rechtlicher Eigentümer, und obdachlose Jugendliche bzw. die Organisationen, die ihnen helfen, sind die Beneficiaries.
Das amerikanische Recht unterscheidet zwischen Private Trusts und Charitable Trusts.
Private Trust: Begünstigt sind bestimmte identifizierbare Personen – etwa die Kinder des Settlors, die Enkel, ein behindertes Familienmitglied. Private Trusts dienen primär der Vermögensnachfolge und dem Vermögensschutz, nicht gemeinnützigen Zwecken.
Charitable Trust: Begünstigt sind gemeinnützige Zwecke oder die Allgemeinheit. Es gibt keine identifizierbaren individuellen Beneficiaries. Charitable Trusts sind nach Section 501(c)(3) steuerbefreit und unterliegen speziellen Regelungen.
Das Trust-Konzept existiert im deutschen Recht nicht. Der fundamentale Unterschied liegt in der Vermögenstrennung:
Deutsches Recht: Eine Stiftung ist eine eigenständige juristische Person. Das Stiftungsvermögen gehört der Stiftung selbst, nicht den Vorstandsmitgliedern. Die Stiftung hat Organe (Vorstand, gegebenenfalls Kuratorium), die für die Stiftung handeln.
Angelsächsischer Trust: Der Trust ist keine juristische Person. Der Trustee ist rechtlicher Eigentümer des Vermögens und handelt im eigenen Namen, ist aber treuhänderisch gebunden. Das Vermögen gehört rechtlich dem Trustee, wirtschaftlich den Beneficiaries.
Diese Konstruktion ist im deutschen Recht so nicht möglich. Deutschland kennt zwar ebenfalls Treuhänder – etwa bei Notaranderkonten, bei der Testamentsvollstreckung oder wenn jemand Aktien treuhänderisch für einen anderen hält. Der fundamentale Unterschied liegt jedoch in der rechtlichen Absicherung:
Deutsche Treuhand: Die Bindung des Treuhänders ist lediglich ein persönlicher Vertrag. Nach außen hin ist der Treuhänder vollwertiger Eigentümer. Wenn der Treuhänder pleitegeht, gehört das treuhänderisch gehaltene Vermögen zur Insolvenzmasse – die Gläubiger des Treuhänders können darauf zugreifen. Der Treugeber kann nur versuchen, sein Geld vom Treuhänder zurückzufordern, hat aber keine direkten Rechte am Vermögen selbst.
Common-Law-Trust: Das Trust-Vermögen ist sachenrechtlich geschützt. Wenn der Trustee pleitegeht, gehört das Trust-Vermögen nicht zur Insolvenzmasse – die Gläubiger des Trustees können nicht darauf zugreifen. Die Beneficiaries haben direkte Rechte am Vermögen, die auch gegen jeden Dritten durchsetzbar sind.
Charitable Remainder Trust (CRT): Der Settlor oder benannte Personen erhalten zu Lebzeiten regelmäßige Zahlungen aus dem Trust, und nach ihrem Tod geht das verbleibende Vermögen an gemeinnützige Organisationen. CRTs werden häufig zur Altersvorsorge genutzt: Der Settlor erhält lebenslang Einkommen, spart Steuern und unterstützt nach seinem Tod gemeinnützige Zwecke.
Charitable Lead Trust (CLT): Umgekehrte Struktur – gemeinnützige Organisationen erhalten für einen bestimmten Zeitraum (etwa 20 Jahre) Zahlungen aus dem Trust, und danach geht das verbleibende Vermögen an die Familie des Settlors zurück. CLTs werden zur Vermögensübertragung an die nächste Generation mit reduzierten Erbschaftssteuern genutzt.
Pooled Income Fund: Mehrere Spender zahlen in einen gemeinsamen Trust ein, der von einer Public Charity verwaltet wird. Jeder Spender erhält lebenslang einen Anteil an den Erträgen entsprechend seinem Beitrag. Nach dem Tod geht der Anteil an die Charity.
Pure Charitable Trust: Das gesamte Vermögen und alle Erträge dienen ausschließlich gemeinnützigen Zwecken, ohne dass Privatpersonen Zahlungen erhalten. Diese Struktur ist selten, weil eine Foundation oder eine Nonprofit Corporation meist praktischer ist.
Charitable Trusts können 501(c)(3)-Status beim IRS beantragen und sind dann von Bundessteuern befreit. Anders als bei Nonprofit Corporations gibt es kein Certificate of Incorporation, das eingereicht werden müsste – der Trust entsteht durch das Trust Agreement. Dennoch muss Form 1023 beim IRS eingereicht werden, um die Steuerbefreiung zu erhalten.
Charitable Remainder Trusts bieten erhebliche Steuervorteile:
Der Settlor erhält einen sofortigen Steuerabzug in Höhe des geschätzten Vermögenswerts, das später an gemeinnützige Organisationen übergeht. Dieser Abzug kann bis zu 60% des Adjusted Gross Income betragen, mit Carry-Forward für bis zu fünf Jahre.
Wenn der Settlor stark im Wert gestiegene Aktien in den CRT einbringt, kann der Trust diese steuerfrei verkaufen und das Geld neu anlegen, ohne Kapitalertragsteuer zahlen zu müssen. Der Settlor erhält dann Zahlungen aus dem vollständigen Erlös, nicht nur aus dem Betrag nach Abzug der Kapitalertragsteuer.
Charitable Lead Trusts reduzieren Erbschafts- und Schenkungssteuern, weil der Wert der Übertragung an die Familie um den Betrag der gemeinnützigen Zahlungen reduziert wird.
Keine formale Unternehmensstruktur erforderlich: Ein Trust entsteht durch ein Trust Agreement, ohne dass beim Secretary of State etwas eingereicht werden muss. Es gibt kein Board of Directors, keine Officers, keine Bylaws, keine jährlichen Report Fees.
Flexibilität: Das Trust Agreement kann sehr detailliert gestalten werden, wie das Vermögen verwaltet und verteilt werden soll. Bei einer Corporation sind viele Dinge durch Bundesstaatsgesetze geregelt.
Privatsphäre: Ein Trust Agreement ist nicht öffentlich, es sei denn, der Trust beantragt den 501(c)(3)-Status. Private Trusts, die keine Steuerbefreiung beantragen, bleiben vollständig privat.
Steueroptimierung bei CRT und CLT: Die Möglichkeit, Einkommen zu generieren, Steuern zu sparen und zugleich gemeinnützige Zwecke zu unterstützen, ist bei Trusts besonders ausgeprägt.
Keine juristische Person: Ein Trust kann nicht dieselben operativen Aktivitäten ausüben wie eine Corporation. Ein Trust kann kein Obdachlosenheim betreiben, keine Mitarbeiter einstellen, keine Verträge abschließen – zumindest nicht in derselben rechtlich klaren Weise wie eine Corporation.
Theoretisch kann der Trustee im Namen des Trusts handeln, aber praktisch entstehen dabei Probleme: Wer haftet, wenn etwas schiefgeht? Wer ist der Arbeitgeber der Mitarbeiter? Wer ist Vertragspartei? Diese Fragen sind bei einer Corporation klar geregelt, bei einem Trust aber oft unklar.
Trustee-Abhängigkeit: Der Trust ist vollständig vom Trustee abhängig. Wenn der Trustee stirbt, zurücktritt oder unfähig wird, muss ein Nachfolger benannt werden. Das Trust Agreement sollte Regelungen für solche Fälle enthalten, aber die Kontinuität ist schwieriger zu gewährleisten als bei einer Corporation mit einem Board of Directors.
Begrenzte Anwendungsfälle: Für die meisten gemeinnützigen Zwecke ist eine Nonprofit Corporation oder eine Foundation praktischer. Trusts eignen sich primär für die passive Vermögensverwaltung und Zahlungen an andere Organisationen – nicht für aktive Programme.
Komplexität bei Charitable Remainder/Lead Trusts: Die steuerlichen Regelungen sind komplex. Die Berechnung der Steuerabzüge, die Verwaltung der Zahlungen und die jährlichen Steuerformulare erfordern professionelle Beratung. Fehler können zum Verlust der Steuervorteile führen.
Estate Planning mit gemeinnütziger Komponente: Wer sein Vermögen teilweise für gemeinnützige Zwecke einsetzen und teilweise auch Einkommen für sich oder die Familie sichern möchte, kann mit einem CRT oder CLT beide Ziele verbinden.
Steueroptimierte Vermögensübertragung: Wer hochwertige, im Wert gestiegene Assets (Aktien, Immobilien) hat und diese ohne Kapitalertragsteuer verkaufen will, kann sie in einen CRT einbringen.
Einfache Vermögensverwaltung ohne operative Tätigkeit: Wer einfach nur ein Vermögen dauerhaft für gemeinnützige Zahlungen verwenden will, ohne eine formale Organisation zu gründen, kann einen Pure Charitable Trust errichten.
Testamentarische Verfügungen: Viele Charitable Trusts entstehen durch ein Testament – der Verstorbene hinterlässt Vermögen in einem Trust, aus dem bestimmte Organisationen oder Zwecke unterstützt werden sollen.
Operative gemeinnützige Arbeit: Wer Programme durchführen, Mitarbeiter einstellen, Immobilien betreiben will, braucht eine Nonprofit Corporation.
Grant-Making mit professioneller Struktur: Wer dauerhaft Fördermittel vergeben will mit formellen Bewerbungsverfahren, Monitoring und Reporting, ist mit einer Foundation besser bedient.
Langfristige institutionelle Stabilität: Eine Corporation mit einem Board of Directors ist institutionell stabiler als ein Trust, der von einem einzelnen Trustee abhängt.
Öffentliche Glaubwürdigkeit: Nonprofits und Foundations sind transparenter und öffentlich sichtbarer. Ein Trust wirkt oft intransparent und kann bei potenziellen Spendern oder Partnern Skepsis auslösen.
Trust Agreement erstellen: Das zentrale Dokument. Es muss festlegen: Zweck des Trusts, Identität des Trustee, Befugnisse und Pflichten des Trustee, wie das Vermögen angelegt werden darf, an wen Zahlungen gehen, was bei Tod oder Rücktritt des Trustee passiert, ob und wie das Trust Agreement geändert werden kann.
Trustee benennen: Kann eine Person oder eine Institution sein. Viele Settlors benennen Banken oder Trust Companies als Trustee, weil diese professionelle Vermögensverwaltung bieten und dauerhaft bestehen.
Vermögen übertragen: Der Settlor überträgt Vermögen formal an den Trustee. Bei Immobilien erfolgt eine Eigentumsumschreibung, bei Aktien eine Übertragung auf ein Depot des Trustees.
EIN beantragen: Der Trust benötigt eine Employer Identification Number, auch wenn er keine Mitarbeiter hat.
501(c)(3)-Status beantragen (optional): Wenn der Trust steuerbefreit sein soll und Spenden steuerlich abzugsfähig sein sollen, muss Form 1023 beim IRS eingereicht werden.
Jährliche Steuererklärungen: Charitable Trusts müssen Form 990 (oder eine Variante davon) einreichen. Charitable Remainder/Lead Trusts haben spezielle Formulare (Form 5227).
In der Praxis werden Charitable Trusts heute primär für Estate Planning und steueroptimierte Vermögensübertragung genutzt, weniger für operative gemeinnützige Arbeit. Die meisten neuen gemeinnützigen Organisationen wählen die Nonprofit Corporation, weil sie flexibler, transparenter und rechtlich klarer ist.
Charitable Trusts bleiben relevant für spezifische Situationen – insbesondere wenn Vermögen steuergünstig übertragen und zugleich gemeinnützige Zwecke unterstützt werden sollen. Für Standard-Philanthropie ist eine Nonprofit Corporation, Foundation oder ein Donor-Advised Fund in der Regel die bessere Wahl.
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