Lexikon

Begriffe einfach erklärt – von A bis Z

Private Foundation

Die Private Foundation ist eine gemeinnützige Organisation, die primär Vermögen verwaltet und daraus Fördermittel (Grants) an andere gemeinnützige Organisationen vergibt. Im Gegensatz zu einer operativen Nonprofit Corporation, die selbst Programme durchführt – ein Obdachlosenheim betreibt, Essen verteilt, ein Museum führt –, besteht die Hauptaufgabe einer Foundation darin, Geld bereitzustellen, das andere Organisationen dann für ihre gemeinnützige Arbeit verwenden.

Foundations entstehen typischerweise aus größeren Vermögensspenden wohlhabender Einzelpersonen oder Familien. Ein erfolgreicher Unternehmer spendet etwa 10 Millionen Dollar, um damit dauerhaft gemeinnützige Arbeit zu fördern. Dieses Vermögen wird angelegt – in Aktien, Immobilien, Anleihen –, und die Erträge daraus finanzieren die jährlichen Grants an Food Banks, Bildungsprogramme, medizinische Forschungseinrichtungen oder Kulturorganisationen.

Die Foundation ist rechtlich eine Nonprofit Corporation nach dem Recht des jeweiligen Bundesstaates, wird aber steuerlich als Private Foundation klassifiziert. Diese Klassifizierung bringt strengere IRS-Regeln mit sich: Foundations müssen mindestens 5% ihres Vermögens jährlich für gemeinnützige Zwecke ausschütten, zahlen 1-2% Excise Tax auf ihre Kapitalerträge, und Spenden an sie sind für Spender steuerlich weniger vorteilhaft als Spenden an operative Nonprofits.

Private Foundation vs Public Charity

Das IRS unterscheidet zwei Hauptkategorien gemeinnütziger Organisationen:

Public Charity: Eine Organisation, die durch eine breite Öffentlichkeit finanziert wird – viele kleine und mittlere Spender, Mitgliedsbeiträge, staatliche Grants, Gebühren für Services. Die meisten operativen Nonprofit Corporations sind Public Charities: Food Banks, Tierheime, Museen, Bildungseinrichtungen.

Beispiele:

  • American Red Cross (Rotes Kreuz)
  • Salvation Army (Heilsarmee)
  • Habitat for Humanity (baut Häuser für bedürftige Familien)
  • United Way (koordiniert lokale Wohltätigkeit)

Private Foundation: Eine Organisation, die überwiegend durch einen einzelnen Stifter, eine Familie oder eine sehr kleine Gruppe von Spendern finanziert wird. Private Foundations erhalten keine breite öffentliche Unterstützung, sondern leben von einem Anfangsvermögen, das angelegt wird und Erträge abwirft.

Beispiele:

  • Gates Foundation (gegründet durch Microsoft-Vermögen)
  • Ford Foundation (gegründet durch Henry Ford und Familie)
  • Rockefeller Foundation (gegründet durch Öl-Vermögen der Familie Rockefeller)
  • Walton Family Foundation (gegründet durch Walmart-Gründerfamilie)

Das zentrale Unterscheidungskriterium ist der Public Support Test: Eine Organisation gilt als Public Charity, wenn mindestens ein Drittel ihrer Einnahmen aus öffentlichen Quellen stammt – etwa Spenden von vielen verschiedenen Gebern, staatliche Grants, Mitgliedsbeiträge oder Einnahmen aus gemeinnützigen Aktivitäten. Stammen die Einnahmen hingegen primär aus einer Quelle (ein Großspender, eine Familie), wird die Organisation als Private Foundation klassifiziert.

Beispiel: Eine Food Bank, die von 500 Spendern jeweils 100–1.000 Dollar erhält, ist eine Public Charity. Eine Foundation, die ein Millionär mit 10 Millionen Dollar ausstattet, ist eine Private Foundation – auch wenn sie formal als Nonprofit Corporation strukturiert ist.

Warum gründet man eine Foundation?

Dauerhafte gemeinnützige Wirkung: Ein wohlhabender Unternehmer möchte sein Vermögen langfristig für gemeinnützige Zwecke einsetzen, statt einmalig große Spenden zu spenden. Die Foundation verwaltet das Vermögen professionell, legt es gewinnbringend an und vergibt jährlich Grants – idealerweise auf unbegrenzte Zeit.

Professionelles Grant-Making: Statt selbst zu entscheiden, welche Organisationen wie viel Geld erhalten, kann eine Foundation einen professionellen Bewerbungsprozess etablieren. Nonprofits reichen Anträge ein, beschreiben ihre Programme, legen Budgets vor. Die Foundation prüft die Anträge, wählt die vielversprechendsten aus und überwacht die Mittelverwendung. Das führt oft zu effektiverer Ressourcenallokation als zu spontanen Einzelspenden.

Familienvermögen gemeinnützig binden: Viele wohlhabende Familien gründen Family Foundations, um ihr philanthropisches Engagement zu strukturieren und über Generationen fortzuführen.

Steuerliche Abzugsmöglichkeiten: Große Vermögensspenden an eine Private Foundation sind steuerlich abzugsfähig – allerdings mit Einschränkungen. Spenden bis zu 30% des Adjusted Gross Income können abgesetzt werden (bei Public Charities sind es 60%). Für sehr vermögende Personen kann das dennoch erhebliche Steuereinsparungen bedeuten.

Corporate Foundations: Unternehmen gründen Corporate Foundations, um ihre Spendentätigkeit zu professionalisieren und von der operativen Geschäftstätigkeit zu trennen. Die Foundation vergibt Grants nach klaren Kriterien, während das Unternehmen sich auf sein Geschäft konzentriert.

Grant-Making: Wie Foundations arbeiten

Das Kerngeschäft einer Foundation ist Grant-Making – die Vergabe von Fördermitteln an andere gemeinnützige Organisationen.

Der Grant-Prozess:

Ausschreibung oder offene Anträge: Manche Foundations schreiben konkrete Förderprogramme aus – etwa „Wir fördern Bildungsprojekte für benachteiligte Jugendliche mit bis zu 50.000 Dollar pro Projekt“. Andere akzeptieren fortlaufend Anträge zu ihrem allgemeinen Förderzweck.

Antragstellung: Nonprofits reichen formelle Anträge ein, die typischerweise folgende Angaben enthalten: Beschreibung der Organisation, Projektbeschreibung, Budget, erwartete Ergebnisse, Qualifikationen des Teams, Nachweis des 501(c)(3)-Status. Große Foundations haben mehrseitige Application Forms, kleinere Family Foundations arbeiten oft mit einfacheren Letter of Inquiry.

Prüfung und Entscheidung: Das Board oder ein Grant Committee prüft die Anträge. Bei professionellen Foundations gibt es Program Officers, die Anträge vorprüfen, Organisationen besuchen und Empfehlungen an das Board abgeben. Bei kleinen Family Foundations entscheidet das Board direkt.

Grant Agreement: Genehmigte Grants werden in einem Grant Agreement festgehalten – welche Organisation erhält wie viel Geld für welchen Zweck, über welchen Zeitraum, mit welchen Berichtspflichten.

Monitoring und Reporting: Die empfangende Organisation muss regelmäßig (meist quartalsweise oder jährlich) berichten, wie die Mittel verwendet wurden und welche Ergebnisse erzielt wurden. Größere Foundations führen Site Visits durch, um Programme vor Ort zu begutachten.

Grant-Typen:

Project Grants: Förderung eines spezifischen Projekts – etwa 30.000 Dollar für ein Nachhilfeprogramm über ein Jahr.

General Operating Support: Förderung der allgemeinen Betriebskosten ohne Zweckbindung für ein spezifisches Projekt. Nonprofits bevorzugen diese Grants, weil sie flexibel verwendbar sind, aber viele Foundations vergeben nur Project Grants.

Multi-Year Grants: Förderung über mehrere Jahre – etwa 100.000 Dollar über drei Jahre. Das gibt der empfangenden Organisation Planungssicherheit.

Capacity Building Grants: Förderung zum Aufbau organisatorischer Kapazitäten – etwa für IT-Infrastruktur, Personalentwicklung oder strategische Planung.

Steuerliche Besonderheiten

Private Foundations unterliegen wesentlich strengeren Regeln als Public Charities.

Minimum Distribution Requirement: Private Foundations müssen jährlich mindestens 5% ihres durchschnittlichen Vermögens für gemeinnützige Zwecke ausschütten. Eine Foundation mit 10 Millionen Dollar Vermögen muss also mindestens 500.000 Dollar pro Jahr als Grants vergeben oder für eigene gemeinnützige Programme ausgeben. Verwaltungskosten zählen nicht zu den 5%.

Diese Regel soll verhindern, dass Foundations primär als Vermögensverwaltungsinstrumente dienen, ohne tatsächlich nennenswert gemeinnützige Arbeit zu finanzieren.

Excise Tax on Investment Income: Private Foundations zahlen 1,39% Steuer auf ihre Kapitalerträge (Dividenden, Zinsen, Kursgewinne aus Aktienverkäufen). Diese Excise Tax wird unabhängig von den 5% Ausschüttungen erhoben. Public Charities zahlen diese Steuer nicht.

Eingeschränkte Spendenabzüge: Spenden an Private Foundations sind für den Spender nur bis zu 30% des Adjusted Gross Income abzugsfähig (bei Barspenden) bzw. 20% (bei Sachspenden wie Aktien). Bei Public Charities sind es 60% bzw. 30%. Das macht Private Foundations für potenzielle Großspender weniger attraktiv.

Self-Dealing-Regeln: Diese Regeln sind extrem streng. Jede finanzielle Transaktion zwischen der Foundation und sogenannten Disqualified Persons ist verboten – das umfasst Stifter, Directors, Officers, deren Familien und Unternehmen, die sie kontrollieren.

Beispiele für verbotenes Self-Dealing:

  • Die Foundation zahlt dem Stifter oder einem Director Gehalt (außer es handelt sich um marktübliche Vergütung für tatsächlich erbrachte Leistungen)
  • Die Foundation mietet ein Büro vom Stifter
  • Die Foundation verleiht Geld an den Stifter
  • Die Foundation kauft Kunst vom Stifter

Verstöße gegen Self-Dealing führen zu drakonischen Strafen: 10% des Transaktionsbetrags für die Disqualified Person, weitere 5% für Directors, die dem zugestimmt haben. Wird der Verstoß nicht umgehend korrigiert, steigen die Strafen auf 200% bzw. 50%.

Excess Business Holdings: Eine Private Foundation darf nicht mehr als 20% eines Unternehmens kontrollieren. Wenn der Stifter 100% eines Unternehmens besitzt und dieses in die Foundation einbringt, muss die Foundation die Anteile schrittweise verkaufen oder an andere gemeinnützige Organisationen übertragen.

Jeopardy Investments: Foundations dürfen keine übermäßig risikoreichen Investments tätigen. Spekulative Investments, die das Stiftungsvermögen gefährden könnten, sind verboten.

Taxable Expenditures: Bestimmte Ausgaben sind verboten und führen zu Steuern: Lobbying (außer in sehr begrenztem Umfang), Grants an Nicht-501(c)(3)-Organisationen ohne besondere Vorkehrungen, Grants an Individuen ohne IRS-genehmigte Verfahren.

Gründung einer Private Foundation

Die Gründung erfolgt in denselben Schritten wie bei einer Nonprofit Corporation:

Schritt 1: Gründung als Nonprofit Corporation beim Secretary of State

Das Certificate of Incorporation muss den gemeinnützigen Zweck festlegen und die üblichen Nonprofit-Klauseln enthalten (Ausschüttungsverbot, Dissolution Clause). Ob die Organisation dann als Private Foundation oder Public Charity klassifiziert wird, entscheidet sich später beim IRS.

Schritt 2: EIN beantragen

Employer Identification Number beim IRS.

Schritt 3: Form 1023 beim IRS einreichen

Die Foundation beantragt den 501(c)(3)-Status. Im Antrag muss angegeben werden, dass es sich um eine Private Foundation handelt. Das IRS klassifiziert neue Organisationen automatisch als Private Foundation, es sei denn, sie können nachweisen, dass sie den Public Support Test erfüllen. Eine neu gegründete Foundation, die mit einer Großspende eines Stifters ausgestattet wird, kann diesen Test nicht erfüllen und bleibt eine Private Foundation.

Schritt 4: Bylaws und Governance

Die Bylaws sollten die Grant-Making-Prozesse regeln, Conflict of Interest Policies enthalten und die Self-Dealing-Regeln berücksichtigen. Das Board sollte mindestens drei Personen umfassen, wobei viele Family Foundations ausschließlich aus Familienmitgliedern bestehen – das ist zulässig, solange die Self-Dealing-Regeln eingehalten werden.

Schritt 5: Investment Policy

Die Foundation sollte eine schriftliche Investment Policy haben, die darlegt, wie das Vermögen angelegt wird, welche Risiken akzeptabel sind und wie die jährlichen Ausschüttungen von 5 % finanziert werden sollen.

Laufende Pflichten

Form 990-PF: Private Foundations müssen jährlich Form 990-PF einreichen – ein umfangreiches Formular, das alle Einnahmen, Ausgaben, Grants, Investments, Vergütungen und Transaktionen offenlegt. Das Formular ist öffentlich einsehbar. Kleine Nonprofits können die vereinfachte Form 990-N nutzen – Private Foundations nicht, egal wie klein.

Grant Documentation: Jeder Grant muss dokumentiert werden – wer hat wie viel erhalten, für welchen Zweck, mit welchem Ergebnis. Das IRS kann diese Dokumentation bei Audits verlangen.

Expenditure Responsibility: Grants an Nicht-501(c)(3)-Organisationen (etwa an ausländische Nonprofits) erfordern besondere Sorgfaltspflichten. Die Foundation muss sicherstellen, dass die Mittel tatsächlich für gemeinnützige Zwecke verwendet werden und detaillierte Berichte von den Empfängern verlangen.

Public Disclosure: Form 990-PF, das Certificate of Incorporation und die Bylaws müssen der Öffentlichkeit auf Anfrage zur Verfügung gestellt werden. Viele Foundations stellen diese Dokumente auf ihrer Website bereit.

Typen von Foundations

Family Foundation: gegründet und kontrolliert von einer Familie. Das Board besteht aus Familienmitgliedern, oft über mehrere Generationen hinweg. Viele der großen amerikanischen Foundations (Ford, Rockefeller, Carnegie) begannen als Family Foundations.

Corporate Foundation: Gegründet von einem Unternehmen, aber rechtlich eigenständig. Das Unternehmen spendet regelmäßig an die Foundation, die dann Grants vergibt. Der Vorteil: Die Spendentätigkeit bleibt stabil, auch wenn das Unternehmen wirtschaftlich schwierige Zeiten durchläuft.

Operating Foundation: Eine Sonderform der Private Foundation, die eigene Programme durchführt statt Grants zu vergeben. Eine Operating Foundation muss mindestens 85% ihrer Einnahmen direkt für eigene Programme ausgeben. Sie unterliegt nicht der 5%-Ausschüttungspflicht, sondern den anderen Private-Foundation-Regeln. Operating Foundations sind selten.

Community Foundation: rechtlich eine Public Charity, aber mit Foundation-ähnlicher Struktur. Community Foundations sammeln Spenden von vielen Gebern aus einer Region und vergeben Grants an lokale Nonprofits. Sie unterliegen nicht den strengen Private-Foundation-Regeln.

Für wen eignet sich eine Private Foundation?

Sehr vermögende Personen oder Familien: Wer 5-10 Millionen Dollar oder mehr dauerhaft für gemeinnützige Zwecke einsetzen will, kann mit einer Private Foundation professionelles Grant-Making etablieren. Für kleinere Beträge (unter 1-2 Millionen) sind die Verwaltungskosten meist unverhältnismäßig hoch.

Langfristige philanthropische Strategie: Wer nicht nur einmalig spenden, sondern über Jahrzehnte oder Generationen hinweg gemeinnützige Arbeit fördern will, profitiert von der Struktur einer Foundation.

Familien, die philanthropisches Engagement weitergeben wollen: Family Foundations ermöglichen es, Kinder und Enkel in Grant-Entscheidungen einzubinden und philanthropische Werte zu vermitteln.

Nicht geeignet für:

Kleinere Vermögen: Die Verwaltungskosten (Form 990-PF vorbereiten, professionelle Vermögensverwaltung, Legal Compliance) sind erheblich. Bei Vermögen unter 1-2 Millionen Dollar sind sie oft höher als der gemeinnützige Nutzen.

Personen, die maximale steuerliche Abzüge wollen: Die eingeschränkten Abzugsmöglichkeiten (30% statt 60%) machen Private Foundations für steueroptimierte Spenden weniger attraktiv. Wer primär Steuern sparen will, spendet besser an Public Charities.

Operative gemeinnützige Arbeit: Wer selbst Programme durchführen will – ein Tierheim betreiben, Bildungsprogramme anbieten –, sollte eine normale Nonprofit Corporation gründen, keine Foundation.

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