Lexikon
Begriffe einfach erklärt – von A bis Z
Das Office of Foreign Assets Control (OFAC) – auf Deutsch: "Behörde zur Überwachung und Durchsetzung von Sanktionen gegen ausländische Vermögenswerte" - ist eine Abteilung des US-Finanzministeriums (Department of the Treasury) und das US-Sanktionsamt.
Es gehört zu den wichtigsten Behörden im Bereich der internationalen Finanzaufsicht und spielt eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung von Terrorismusfinanzierung, Geldwäsche, Menschenrechtsverletzungen sowie der Kontrolle von Handelsverboten gegenüber bestimmten Ländern, Organisationen und Personen.
OFAC verwaltet das komplette US-Sanktionsregime - ein System aus drei ineinandergreifenden Machtinstrumenten. Das wichtigste ist die SDN-Liste (Specially Designated Nationals): ein digitaler Pranger mit über 8.000 Personen und Organisationen, mit denen US-Bürger oder -Unternehmen schlicht keine Geschäfte machen dürfen. Wer dort landet, ist faktisch vom globalen Finanzsystem ausgeschlossen.
Wer steht drauf? Eine bunte Mischung aus Putins Oligarchen-Zirkel (Viktor Vekselberg, Igor Sechin), mexikanischen Drogenbossen wie "El Chapo" Guzmán und seinen Söhnen, iranischen Generälen, nordkoreanischen Funktionären und sogar der ehemaligen ICC-Chefanklägerin Fatou Bensouda U.S. Department of the TreasuryFinance Monthly - letztere landete dort, weil sie US-Kriegsverbrechen untersuchte.
Parallel dazu erlässt OFAC länderspezifische Wirtschaftssanktionen - aktuell gegen über 30 Staaten, von Vollembargos wie gegen Nordkorea bis hin zu gezielten Sektorsanktionen wie gegen Russlands Energiesektor. Diese Sanktionen werden kontinuierlich verschärft oder gelockert, je nach außenpolitischer Großwetterlage.
Der dritte Baustein sind Genehmigungsverfahren für Ausnahmen - ein bürokratisches Nadelöhr, durch das humanitäre Hilfsorganisationen oder Unternehmen mit legitimen Geschäftsinteressen schlüpfen können. Diese "General Licenses" sind allerdings oft so eng gefasst, dass sie in der Praxis wenig helfen.
Was OFAC besonders macht: Die Behörde überwacht US-Dollar-Transaktionen weltweit - auch über ausländische Banken. Jede internationale Überweisung, die das SWIFT-System durchläuft, kann theoretisch von OFAC geprüft werden. Das macht die Behörde zum stillen Mithörer des globalen Zahlungsverkehrs.
OFAC-Sanktionen gelten weit über die USA hinaus. Die Behörde kann gegen jeden vorgehen, der amerikanische Infrastruktur nutzt - auch ohne US-Staatsbürgerschaft oder Firmensitz in Amerika.
Vier Verbindungen zu den USA reichen aus:
US-Dollar-Zahlungen: Jede internationale Überweisung in Dollar durchläuft das amerikanische Bankensystem. Überweisen Sie als deutscher Unternehmer 10.000 Dollar an einen Kunden in Frankreich, gilt amerikanisches Recht - auch wenn beide Banken europäisch sind.
US-Technologie: Ein iPhone, Windows-Computer oder Amazon-Server reichen aus. Die USA definieren bereits 10% amerikanische Technologie-Anteile als ausreichend für ihre Zuständigkeit. Bei modernen Geräten ist das praktisch unvermeidbar.
US-Dienstleister: PayPal, Stripe, AWS, Microsoft 365 - wer diese nutzt, unterliegt automatisch OFAC-Regeln. Das betrifft mittlerweile fast jeden Online-Händler und Dienstleister.
US-Unternehmensbeteiligung: Schon eine kleine Tochtergesellschaft, ein Büro oder sogar nur ein Bankkonto in den USA macht das gesamte Unternehmen zu einer "US-Person" im rechtlichen Sinne.
Beispiel aus der Praxis: Die französische Bank BNP Paribas zahlte 2014 knapp 9 Milliarden Dollar Strafe, weil sie Dollar-Transaktionen für Kunden aus dem Sudan abgewickelt hatte - obwohl das nach französischem Recht völlig legal war.
Diese extraterritoriale Anwendung macht OFAC faktisch zu einer Weltpolizei für Finanzgeschäfte. Wer international tätig ist, kommt um amerikanische Regeln nicht herum.
OFAC lauert in jedem PayPal-Konto – und betrifft zunehmend Solo-Unternehmer, Freelancer und Onlinehändler, auch außerhalb der USA.
Typische Problemsituationen entstehen bei:
Die Verwendung von US-Zahlungsdienstleistern wie Stripe, PayPal oder Wise führt häufig zu Komplikationen. Diese Anbieter unterliegen OFAC-Vorgaben und blockieren Konten oder Zahlungen, wenn Transaktionen mit sanktionierten Ländern oder Personen vermutet werden.
Zusammenarbeit mit Freelancern oder Kunden aus Ländern wie Iran, Syrien oder Kuba kann selbst bei harmlosen Aufträgen zur Sperrung von Konten oder Geldbußen führen.
Verkäufe auf US-Plattformen wie Etsy, Shopify oder Amazon.com unterwerfen auch kleine Händler der OFAC-Rechtsprechung, da Zahlungen in US-Dollar abgewickelt und US-Infrastruktur genutzt wird.
Bei Krypto- und Fintech-Nutzung können Wallets oder Smart Contracts, die mit Adressen auf der SDN-Liste in Berührung kommen, ebenfalls Probleme verursachen.
Selbst wenn keine Absicht besteht, gegen Sanktionen zu verstoßen: Die OFAC kennt keine Gnade und Unwissen gilt nicht als Entschuldigung. US-Dienstleister frieren bei Verdacht sofort Gelder ein, oft automatisiert und ohne Vorwarnung.
Das Wichtigste: Prüfen Sie einmal im Monat, ob Ihre Kunden oder Geschäftspartner auf der Sperrliste stehen. Das geht auf sanctionssearch.ofac.treas.gov - einfach Namen eingeben und schauen, ob ein Treffer kommt.
Hochrisiko-Länder meiden: Keine Geschäfte mit Iran, Nordkorea, Syrien, Kuba oder Russland. Selbst ein harmloses Logo-Design für einen Kunden aus Teheran kann zur Kontosperrung führen.
Vorsicht auch bei: Venezuela, Belarus, Myanmar und Afghanistan - hier sind viele Sektoren gesperrt, aber nicht alle. Ohne Rechtsberatung wird's riskant.
Warum so kompliziert? OFAC führt bewusst keine feste Länderliste, weil die Sanktionen je nach Land völlig unterschiedlich sind - mal Vollembargo, mal nur bestimmte Personen oder Branchen. Deshalb die monatliche SDN-Prüfung.
Zahlungsdienstleister richtig einstellen: Bei PayPal, Stripe und Co. gibt es Sicherheitseinstellungen für internationale Zahlungen. Aktivieren Sie die Warnungen - dann werden Sie automatisch benachrichtigt, wenn etwas verdächtig aussieht.
Bei Überweisungen in Dollar: Doppelt prüfen, wohin das Geld geht. Auch wenn Sie nur an einen französischen Kunden überweisen - läuft die Zahlung über eine US-Bank, greifen amerikanische Regeln.
Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht. Selbst deutsche Großbanken zahlen manchmal OFAC-Strafen. Aber diese Grundregeln reduzieren das Risiko erheblich.
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