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Begriffe einfach erklärt – von A bis Z

Close Corporation

Die Close Corporation ist eine Sonderform der Corporation, die in den 1960er- und 1970er-Jahren entwickelt wurde, um kleinere Unternehmen von den umfangreichen Formalitäten zu befreien, die das Corporation-Recht für große und vor allem börsennotierte Corporations vorsieht. Die Rechtsform sollte eine Lücke schließen: Sie bot Haftungsschutz wie eine Corporation, erlaubte aber eine informellere, personengesellschafts-ähnliche Führung ohne Board Meetings, formelle Beschlüsse und protokollierte Minutes.

Heute spielt die Close Corporation kaum noch eine Rolle bei Neugründungen. Die Limited Liability Company, die seit den späten 1990er Jahren in allen Bundesstaaten verfügbar ist, bietet dieselben Vorteile – Haftungsschutz und weniger starre Vorschriften – in einer moderneren und durchdachteren Form. Die Close Corporation ist damit im Wesentlichen ein historisches Relikt, auch wenn sie in etwa 20 Bundesstaaten nach wie vor als Rechtsform zur Verfügung steht, darunter Delaware, Maryland, Pennsylvania und Illinois.

Das Problem, das die Close Corporation lösen sollte

Das amerikanische Corporation-Recht entstand im 19. Jahrhundert und wurde primär für große Unternehmen mit vielen Aktionären entwickelt. Die umfangreichen Governance-Vorschriften – Board of Directors mit regelmäßigen Sitzungen, strikte Trennung zwischen Eigentümern und Management, formelle Beschlussfassungen mit protokollierten Minutes – sind bei großen und börsennotierten Unternehmen unerlässlich. Für ein kleines Bauunternehmen mit drei Gesellschaftern oder einen Familienbetrieb sind sie jedoch unverhältnismäßig hoher Verwaltungsaufwand.

In der Praxis führte das zu einem Dilemma: Kleinunternehmer gründeten Corporations wegen des Haftungsschutzes, ignorierten dann aber die lästigen Formalitäten. Vater und Sohn im Baugeschäft trafen ihre Entscheidungen beim Mittagessen, statt formelle Board Meetings abzuhalten. Drei Freunde mit einem Software-Startup unterschrieben Verträge ohne förmlichen Board-Beschluss.

Das funktionierte meist problemlos – bis zum ersten Rechtsstreit. Gerichte konnten dann argumentieren, die Corporation sei eine bloße Fassade. Sie können die Haftungsbeschränkung dann nicht anerkennen, weil die gesetzlich vorgeschriebenen Formalitäten nicht eingehalten wurden. Das Ergebnis: Die Gesellschafter hafteten plötzlich persönlich, obwohl sie dachten, als Corporation geschützt zu sein.

Die Close Corporation sollte dieses Problem lösen. Sie erlaubte es Kleinunternehmen, als vollwertige Corporation mit Haftungsschutz zu operieren, ohne die für Mini-Unternehmen weitgehend sinnlosen Formalitäten einhalten zu müssen.

Kernmerkmale der Close Corporation

Begrenzte Anzahl der Aktionäre: Close Corporations haben eine Obergrenze für die Anzahl der Gesellschafter. In Delaware sind maximal 30 Aktionäre zulässig, in anderen Staaten 35 oder 50. Diese Beschränkung stellt sicher, dass die Gesellschafterstruktur überschaubar bleibt.

Keine öffentliche Handelbarkeit: Die Aktien dürfen nicht öffentlich gehandelt werden. Sobald ein Unternehmen an die Börse gehen will, muss es in eine reguläre Corporation umgewandelt werden.

Übertragungsbeschränkungen: Die Gründungsdokumente können vorsehen, dass Aktien nur mit Zustimmung aller Gesellschafter übertragen werden dürfen oder bestehende Aktionäre ein Vorkaufsrecht haben. Diese Regelungen sollen verhindern, dass unerwünschte Dritte in den engen Gesellschafterkreis eindringen – ein klassisches Anliegen bei Familienunternehmen.

Vereinfachte oder abgeschaffte Governance-Strukturen: Der wesentliche Vorteil besteht in den reduzierten Formalitäten. Die Aktionäre können in den Gründungsdokumenten festlegen, dass kein Board of Directors erforderlich ist und die Gesellschaft direkt von den Aktionären geführt wird. Auch wenn ein Board existiert, können formelle Board Meetings, schriftliche Beschlüsse und protokollierte Minutes entfallen.

Drei Gesellschafter können Entscheidungen beim gemeinsamen Mittagessen treffen, ohne ein formelles Meeting einberufen zu müssen. Sie können Gewinnausschüttungen beschließen, ohne den mehrstufigen Prozess von Shareholder Meeting und Board Resolution durchlaufen zu müssen.

Verbreitung und rechtlicher Status

Die Close Corporation ist nicht in allen Bundesstaaten verfügbar. Delaware, Maryland, Pennsylvania und Illinois haben spezielle Gesetze für Close Corporations. Andere Bundesstaaten waren von der Idee weniger überzeugt und haben nie entsprechende Gesetze erlassen.

In Staaten ohne Close-Corporation-Statut blieb Kleinunternehmern theoretisch die normale Corporation, bei der sie sich über Shareholder Agreements absichern konnten – etwa durch Übertragungsbeschränkungen, Vorkaufsrechte oder Supermajority-Klauseln für wichtige Entscheidungen. Solche vertraglichen Konstrukte sind jedoch anfälliger für juristische Streitigkeiten als eine gesetzlich definierte Rechtsform. Ein Shareholder Agreement kann zwar vieles regeln, aber ob ein Gericht im Konfliktfall diese Regelungen auch tatsächlich anerkennt und durchsetzt, ist oft unsicher.

Warum die LLC die Close Corporation überflüssig gemacht hat

Die Close Corporation war eine innovative Lösung für ein echtes Problem – allerdings nur so lange, bis eine bessere Alternative auftauchte - die Limited Liability Company.

Wyoming führte die LLC 1977 ein, aber es dauerte bis Mitte der 1990er Jahre, bis alle Bundesstaaten nachzogen. Entscheidend war eine Klarstellung des IRS im Jahr 1997, die bestätigte, dass LLCs steuerlich standardmäßig als pass-through entities behandelt werden. Die Gewinne werden dabei direkt an die Inhaber durchgereicht und dort versteuert, ohne dass es zu einer Doppelbesteuerung auf Unternehmens- und Gesellschafterebene kommt – was jahrelang nicht klar war, weshalb viele um die LLC einen großen Bogen machten.

Ab diesem Zeitpunkt bot die LLC alles, was die Close Corporation konnte:

Haftungsschutz: Genau wie die Close Corporation schützt die LLC die Inhaber vor persönlicher Haftung.

Operative Flexibilität: Die LLC schreibt keine bestimmten Organe, Hierarchien oder Entscheidungsstrukturen vor. Es gibt keine vorgeschriebenen Organe, keine Mindestformalitäten, keine obligatorischen Meetings. Das Operating Agreement kann die Gesellschaft so strukturieren, wie es den Inhabern passt.

Steuerliche Vorteile: Die LLC wird standardmäßig als Pass Through Entity behandelt. Die Close Corporation hingegen ist zunächst eine C-Corporation mit Doppelbesteuerung und muss beim IRS den S-Corporation-Status aktiv beantragen, um Pass Through Taxation zu erhalten – was nicht immer möglich oder sinnvoll ist.

Verfügbarkeit: Die LLC ist in allen 50 Bundesstaaten verfügbar. Die Close Corporation nur in etwa 20.

Modernere Rechtsprechung: Das LLC-Recht ist jünger und wurde anhand der Rechtsprechung aus Jahrzehnten entwickelt. Close-Corporation-Statuten stammen teilweise aus den 1960er Jahren und wurden seitdem kaum noch weiterentwickelt.

Für Neugründungen gibt es heutzutage deshalb kaum noch Gründe, eine Close Corporation statt einer LLC zu wählen. Die LLC ist in der Regel die bessere Rechtsform für denselben Zweck.

Warum existiert die Close Corporation überhaupt noch?

Wenn die LLC die Close Corporation überflüssig gemacht hat – warum gibt es sie dann noch?

Bestandsunternehmen: Viele Close Corporations wurden in den 1970er- bis 1990er-Jahren gegründet, also bevor die LLC flächendeckend verfügbar war. Diese Unternehmen laufen weiter. Eine Umstrukturierung in eine LLC kostet Zeit, Geld und hat möglicherweise steuerliche Konsequenzen. Solange das Geschäft läuft und keine Probleme auftreten, besteht kein Anlass, die Rechtsform zu ändern.

Der verbleibende Anwendungsfall: VC-finanzierte Startups: Der einzige tatsächlich interessante Anwendungsfall, der verbleibt, wären Start-ups, die später Venture Capital aufnehmen wollen. Venture-Capital-Fonds und institutionelle Investoren arbeiten fast ausschließlich mit Corporations, weil deren Aktienstruktur aus verschiedenen Aktiengattungen (Common Stock, Preferred Stock) besteht und ihre internen Prozesse darauf ausgelegt sind. Die LLC mit ihrer flexibleren, aber weniger standardisierten Struktur passt nicht zu ihren Investitionsmodellen.

Für solche Startups kann die Close Corporation als Zwischenlösung dienen: In der Anfangsphase mit zwei oder drei Gründern profitiert man von den reduzierten Formalitäten der Close Corporation – keine Board Meetings, keine protokollierten Minutes, keine aufwendigen Formalitäten. Sobald die erste Finanzierungsrunde ansteht, wandelt man die Close Corporation in eine reguläre Corporation um. Das erfolgt durch Einreichung eines Certificate of Amendment beim Secretary of State, das die Close-Corporation-Klauseln aufhebt. Anschließend wird ein Board of Directors konstituiert, neue Bylaws werden verabschiedet und die Corporate Governance wird auf die Standardanforderungen einer regulären Corporation umgestellt.

Die Alternative wäre, als LLC zu starten und diese später in eine Corporation umzuwandeln. Das ist jedoch wesentlich komplizierter und in der Regel auch teurer. Die Umwandlung gilt steuerlich als Verkauf der LLC-Assets an die neue Corporation, was zu erheblichen Steuerzahlungen führen kann. Zwar bestehen Möglichkeiten steuerfreier Reorganisationen unter bestimmten Voraussetzungen, doch diese erfordern sorgfältige Planung, sind fehleranfällig und funktionieren nicht in allen Konstellationen.

Gründung und rechtliche Anforderungen

Die Gründung einer Close Corporation erfolgt durch Einreichung eines Certificate of Incorporation beim Secretary of State des jeweiligen Bundesstaates. Dieses öffentliche Dokument muss explizit angeben, dass es sich um eine Close Corporation handelt.

Was zwingend ins Certificate of Incorporation gehört:

Close-Corporation-Status: Eine Klausel wie „This corporation is a close corporation as defined in [Corporation Law des jeweiligen Bundesstaates]“ oder in Delaware „All of the corporation's issued stock shall be subject to the restrictions on transfer set forth in this Certificate, and the corporation is a close corporation.“

Maximale Aktionärszahl: Delaware verlangt die Festlegung der Höchstzahl an Aktionären, typischerweise 30.

Übertragungsbeschränkungen: Diese müssen im Certificate stehen, nicht in den Bylaws oder in einem separaten Shareholder Agreement, weil sie nur dann gegenüber Dritten wirksam sind, die ohne Kenntnis interner Vereinbarungen Aktien erwerben könnten. Übliche Klauseln sind:

  • Vorkaufsrecht (Right of First Refusal): „No stockholder shall transfer shares without first offering them to the existing stockholders at the same price and terms. Existing stockholders shall have 30 days to accept the offer on a pro-rata basis."
  • Zustimmungserfordernis: "No transfer of shares shall be valid without the prior written consent of all stockholders" oder bei größeren Close Corporations "without consent of stockholders holding at least two-thirds of the outstanding shares."
  • Beschränkung des Käuferkreises: "Shares may only be transferred to family members of the transferor, existing stockholders, or persons approved by unanimous vote of the board of directors."
  • Rückkaufpflicht bei bestimmten Ereignissen: "Upon death, divorce, bankruptcy, or termination of employment of a stockholder, the corporation or the remaining stockholders shall have the right and obligation to purchase such stockholder's shares at book value as determined by the corporation's accountant."

Verzicht auf Board of Directors: Wenn ohne Board of Directors gearbeitet werden soll, muss das explizit verankert werden: "The business and affairs of the corporation shall be managed directly by the stockholders rather than by a board of directors." Ohne diese Klausel gilt die Standard-Corporation-Struktur mit obligatorischem Board.

Was in den Bylaws geregelt werden kann:

Die Bylaws sind ein internes Dokument und binden nur die Gesellschafter und Directors, nicht aber Dritte. Hier können operative Details geregelt werden:

  • Wie Aktionärsbeschlüsse gefasst werden (schriftlich, telefonisch, per E-Mail)
  • Ob und wie oft Shareholder Meetings stattfinden müssen
  • Welche Mehrheiten für welche Entscheidungen erforderlich sind (sofern nicht im Certificate geregelt)
  • Wie mit Gewinnausschüttungen verfahren wird
  • Wer welche Unterschriftsbefugnisse hat

Wenn ein Board of Directors beibehalten wird, aber mit reduzierten Formalitäten arbeiten soll, kann in den Bylaws geregelt werden: "The board may take action without a formal meeting by unanimous written consent or by informal agreement of all directors. Formal minutes are not required for board decisions."

Die Rechtsform heute

Die Close Corporation war eine wichtige Innovation in den 1960er- und 1970er-Jahren. Sie löste ein echtes Problem: Kleinunternehmer konnten den Haftungsschutz einer Corporation nutzen, ohne sich mit überflüssigen Formalitäten herumschlagen zu müssen.

Heute ist die Rechtsform mehr oder minder ein historisches Relikt. Die LLC bietet dieselben Vorteile – Haftungsschutz und operative Flexibilität – in modernerer und durchdachterer Form, plus steuerliche Vorteile und Verfügbarkeit in allen Bundesstaaten. Für Neugründungen gibt es nur noch in seltenen Fällen Gründe, eine Close Corporation statt einer LLC zu wählen.

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