Lexikon
Begriffe einfach erklärt – von A bis Z
Die B-Corp-Zertifizierung ist ein freiwilliges Siegel für Unternehmen, die hohe Standards in Bezug auf soziale und ökologische Verantwortung erfüllen. Die Zertifizierung wird von B Lab, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in den USA, vergeben.
B Corp steht für „Certified B Corporation" - nicht zu verwechseln mit der Benefit Corporation, einer eigenständigen Rechtsform. Die B-Corp-Zertifizierung ist im Gegensatz dazu kein rechtlicher Status, sondern eben ein Gütesiegel. Jedes Unternehmen - ob LLC, Corporation, Partnership oder andere Rechtsform - kann sich zertifizieren lassen, ohne seine Rechtsstruktur zu ändern.
B Lab ist eine 2006 gegründete Non-Profit-Organisation, die Standards für sozial und ökologisch verantwortliche Unternehmen entwickelt hat. Die Organisation vergibt die B-Corp-Zertifizierung und betreibt das B Impact Assessment – ein Bewertungstool, mit dem Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsleistung messen können.
B Lab verfolgt die Vision, dass Unternehmen nicht nur Gewinne maximieren, sondern auch positive gesellschaftliche Auswirkungen erzielen. Die Zertifizierung soll Verbrauchern helfen, Unternehmen zu identifizieren, die diesen Anspruch ernst nehmen.
Um B-Corp-zertifiziert zu werden, muss ein Unternehmen das B Impact Assessment ausfüllen – einen umfangreichen Fragebogen mit etwa 200 Fragen zu fünf Kategorien: Governance, Workers (Mitarbeiter), Community (Gemeinschaft), Environment (Umwelt) und Customers (Kunden).
Ein Unternehmen muss mindestens 80 von 200 möglichen Punkten erreichen, um das Siegel zu erhalten. Die Fragen umfassen Themen wie faire Löhne, Diversität im Management, CO₂-Fußabdruck, Lieferkettenverantwortung, Datenschutz und Transparenz.
Nach erfolgreicher Bewertung muss das Unternehmen rechtlich verankern, dass es nicht nur Shareholder-Interessen, sondern auch Stakeholder-Interessen berücksichtigt. Das kann durch Änderung der Bylaws oder des Operating Agreements oder durch Umwandlung in eine Benefit Corporation erfolgen.
Die Zertifizierung kostet zwischen 1.000 und 50.000 Dollar jährlich, abhängig vom Jahresumsatz des Unternehmens. Kleine Unternehmen zahlen weniger, große Konzerne mehr. Die Zertifizierung ist drei Jahre gültig und muss anschließend erneuert werden.
Der Hauptvorteil liegt im Marketing. Das B-Corp-Siegel signalisiert Kunden, dass das Unternehmen überprüfte Nachhaltigkeitsstandards erfüllt. In Zeiten wachsenden Umwelt- und Sozialbewusstseins kann das ein Wettbewerbsvorteil sein.
Manche Kunden bevorzugen bewusst B Corps - etwa bei der Auswahl von Lieferanten oder Dienstleistern. Das Siegel schafft Vertrauen und eine gewisse Differenzierung auf dem Markt.
B Corps erhalten Zugang zum B Corp Netzwerk — mit über 7.000 zertifizierten Unternehmen weltweit. Die Mitglieder unterstützen sich gegenseitig, tauschen Erfahrungen aus und knüpfen Geschäftsbeziehungen - so jedenfalls der Plan.
Eine Zertifizierung kann bei der Mitarbeitergewinnung hilfreich sein, denn nicht wenige Bewerber - besonders aus der jüngeren Generation - legen heutzutage Wert darauf, für Unternehmen mit gesellschaftlichem Engagement zu arbeiten.
Patagonia, der Outdoor-Bekleidungshersteller, zählt zu den bekanntesten B Corps. Ben & Jerry's, Eileen Fisher, Allbirds und Warby Parker sind weitere in den USA bekannte Beispiele. In Deutschland sind Unternehmen wie Einhorn Products zertifiziert.
Weltweit gibt es über 7000 zertifizierte B Corps in mehr als 80 Ländern. Die meisten sind kleine bis mittelgroße Unternehmen, aber auch größere Konzerne wie Danone Nordamerika sind dabei.
Die Kosten sind für kleine Unternehmen oft erheblich - nicht nur die Zertifizierungsgebühr, sondern auch der Aufwand für das Assessment und die Dokumentation.
Kritiker bemängeln, dass die Zertifizierung letztlich nur Marketing ist. Das Siegel garantiert nicht, dass ein Unternehmen tatsächlich nachhaltig handelt – nur, dass es bestimmte Kriterien erfüllt. Manche zertifizierte Unternehmen wurden später wegen fragwürdiger Praktiken kritisiert.
Die rechtliche Verankerung von Stakeholder-Interessen kann zu Konflikten mit Investoren führen. Venture-Capital-Fonds bevorzugen oft eine klare Gewinnorientierung ohne zusätzliche Verpflichtungen.
Die Zertifizierung ist zeitaufwendig. Das Assessment dauert mehrere Wochen, die Dokumentation erfordert Ressourcen und alle drei Jahre muss der Prozess wiederholt werden.
Die Begriffe werden oft verwechselt. Die Benefit Corporation ist eine Rechtsform - eine spezielle Art von Corporation, die in den USA in etwa 35 Bundesstaaten verfügbar ist. Die B-Corp-Zertifizierung ist ein freiwilliges Siegel.
Ein Unternehmen kann eine Benefit Corporation sein, ohne B-Corp-Zertifizierung zu haben. Umgekehrt kann es B-Corp-zertifiziert sein, ohne eine Benefit Corporation zu sein - etwa als normale LLC oder C-Corporation. Manche Unternehmen kombinieren beides: Sie wählen die Benefit Corporation als Rechtsform und lassen sich zusätzlich als B Corp zertifizieren.
Die Benefit Corporation ist rechtlich verbindlich und staatlich reguliert. Die B-Corp-Zertifizierung ist rein privatrechtlicher Natur und wird von B Lab verliehen.
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