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Alles Wichtige verständlich und kompakt erläutert
Jede US-Gesellschaft braucht früher oder später auch ein Geschäftskonto, denn ohne Bankkonto können keine Zahlungen empfangen, keine Rechnungen bezahlt und keine Geschäfte abgewickelt werden. Auch rechtlich ist die Trennung zwischen privatem und geschäftlichem Vermögen essentiell, um die Haftungsbeschränkung der LLC oder Corporation nicht zu gefährden.
Die Kontoeröffnung ist für in den USA ansässige Geschäftsführer in der Regel unkompliziert. Für Non-Residents hingegen kann sie zur Geduldsprobe werden. Der Grund liegt in den inzwischen weltweit sehr regieden Geldwäschevorschriften, die Banken heutzutrage zu umfangreichen Prüfungen verpflichten.
Die neue Währung im Banking-Business ist deshalb schon lange nicht mehr Bonität, sondern Transparenz. Banken müssen heute genau wissen, mit wem sie Geschäfte machen und woher das Geld kommt. Die Anti-Money-Laundering (AML) und Know Your Customer (KYC) Vorschriften verlangen von Banken, ihre Kunden zu identifizieren, deren Geschäftsmodell zu verifizieren und verdächtige Transaktionen zu melden.
Diese Vorschriften gelten weltweit und sind in den USA besonders streng. Der Bank Secrecy Act und der USA PATRIOT Act verpflichten amerikanische Banken zu umfangreichen Prüfungen. Verstöße können zu massiven Strafen führen – Banken riskieren Millionenbußen, wenn sie ihre Sorgfaltspflichten verletzen.
Die praktische Konsequenz: Banken verlangen heute deutlich mehr Nachweise als noch vor einigen Jahren. Ein Handelsregisterauszug serviert mit etwas Blabla reicht nicht. Die Bank will genau wissen, was das Unternehmen machen, wer dahintersteht und woher die Einnahmen kommen. Belege für die Geschäftstätigkeit sind Pflicht - in Form einer funktionierenden Webseite, Geschäftsdokumenten, Verträgen, Rechnungen.
Für ein Beratungsunternehmen ohne Webpräsenz, für eine Holding ohne erkennbare Struktur oder für eine Import-Export-Firma ohne konkrete Geschäftspartner wird es schwierig. Banken lehnen solche Anträge heute häufig ab, weil sie das Risiko nicht einschätzen können oder weil das Geschäftsmodell zu intransparent erscheint.
Wer in den USA lebt und dort eine LLC oder Corporation gründet, hat bei der Kontoeröffnung in der Regel keine größeren Probleme.
Für die Kontoeröffnung benötigt die Bank typischerweise folgende Unterlagen:
Die Articles of Organization (LLC) oder Articles of Incorporation (Corporation) als Nachweis der Registrierung. Dazu das EIN Letter vom IRS, also die Bestätigung der Steueridentifikationsnummer. Die Organizational Minutes oder das Operating Agreement, um zu sehen, wer die Gesellschaft führt und vertreten darf. Eine Banking Resolution, die festlegt, wer zeichnungsberechtigt ist.
Von den Geschäftsführern bzw. Officers verlangt die Bank einen gültigen Ausweis – typischerweise einen US-Führerschein oder State ID – sowie die Social Security Number. Die Geschäftsadresse muss nachgewiesen werden, etwa durch eine Stromrechnung oder einen Mietvertrag.
Zusätzlich will die Bank Informationen zum Geschäftsmodell. Was macht das Unternehmen? Wer sind die Kunden? Welches Transaktionsvolumen ist zu erwarten? Eine Webseite ist hilfreich, aber nicht immer zwingend erforderlich, wenn das Geschäftsmodell klar ist und durch andere Dokumente belegt werden kann.
Die Kontoeröffnung kann online, telefonisch oder in einer Filiale erfolgen. Viele Banken bieten heute vollständig digitale Prozesse an. Die Unterlagen werden hochgeladen, die Identität per Video-Call verifiziert, und innerhalb weniger Tage ist das Konto eröffnet.
Bei komplexeren Strukturen – etwa wenn die LLC mehrere Members hat oder wenn größere Transaktionsvolumen zu erwarten sind – kann die Bank zusätzliche Informationen verlangen. Manche Banken führen auch ein Gespräch mit dem Geschäftsführer, um das Geschäftsmodell besser zu verstehen.
Die Gebühren für Geschäftskonten variieren erheblich. Manche Banken bieten kostenlose Konten für kleinere Unternehmen an, andere verlangen monatliche Gebühren ab $10 bis $30. Transaktionsgebühren, Mindestguthaben und andere Konditionen sollten vor der Eröffnung verglichen werden.
Für US-Residents steht praktisch die gesamte Bankenlandschaft offen. Die großen nationalen Banken wie Bank of America, Wells Fargo, Chase oder Citibank bieten Business Accounts an. Regionale Banken und Community Banks sind oft flexibler und persönlicher im Umgang. Online-Banken wie Mercury, Novo oder Relay bieten moderne, digitale Banking-Lösungen speziell für kleinere Unternehmen.
Die Wahl der Bank hängt von den Bedürfnissen ab. Wer Filialservice braucht, ist bei einer traditionellen Bank besser aufgehoben. Wer international tätig ist und viele Überweisungen macht, sollte auf günstige Auslandsgebühren achten. Wer ein modernes, digitales Interface bevorzugt, findet bei den Online-Banken oft die besseren Lösungen.
Für Geschäftsführer, die nicht in den USA ansässig sind, sieht die Situation fundamental anders aus. Die Kontoeröffnung ist deutlich schwieriger – und bei manchen Banken schlicht unmöglich.
US-Banken sind verpflichtet, die Identität ihrer Kunden zu verifizieren. Bei US-Residents funktioniert das problemlos über Führerschein und Social Security Number. Bei Non-Residents wird es kompliziert.
Ein ausländischer Pass kann zwar zur Identifikation dienen, aber viele Banken akzeptieren nur US-Ausweisdokumente. Eine Social Security Number haben Non-Residents ohnehin nicht – ersatzweise kann eine Individual Taxpayer Identification Number (ITIN) dienen, aber nicht alle Banken akzeptieren diese.
Das größere Problem ist die persönliche Anwesenheit. Viele traditionelle Banken verlangen, dass der Kontoinhaber persönlich in einer Filiale erscheint, um sich auszuweisen. Für jemanden in Deutschland oder der Schweiz bedeutet das eine Reise in die USA – nur für die Kontoeröffnung.
Die Anzahl der Banken, die Geschäftskonten für Non-Residents eröffnen, ist begrenzt und wird tendenziell kleiner. Viele traditionelle Banken haben sich aus diesem Geschäft zurückgezogen, weil der Compliance-Aufwand zu hoch ist.
Einige spezialisierte Anbieter haben sich auf Non-Residents fokussiert. Mercury war lange Zeit eine beliebte Option, hat aber 2024 die Konditionen verschärft und akzeptiert Non-Residents nur noch in Ausnahmefällen. Wise (ehemals TransferWise) bietet Multi-Currency-Konten mit US-Kontodetails an, die für viele Zwecke ausreichen, aber technisch keine echten US-Bankkonten sind.
Relay und Brex haben zeitweise Non-Residents akzeptiert, aber auch hier ändern sich die Policies regelmäßig. Manche Banken verlangen, dass zumindest ein Officer oder Manager US-Resident ist – was bei einer reinen Non-Resident-Struktur nicht gegeben ist.
Neben den üblichen Gesellschaftsdokumenten verlangen Banken von Non-Residents typischerweise zusätzliche Nachweise:
Einen ausländischen Pass als Identitätsnachweis. Einen Adressnachweis aus dem Heimatland – etwa eine Stromrechnung oder einen Kontoauszug. Eine ausführliche Beschreibung des Geschäftsmodells, oft in Form eines Business Plans. Nachweise über die Geschäftstätigkeit – eine professionelle Webseite ist hier praktisch Pflicht. Bei manchen Banken auch Referenzen von Geschäftspartnern oder bestehenden Banken.
Die Webseite spielt eine zentrale Rolle. Eine LLC ohne Webpräsenz wirft sofort Fragen auf: Was macht dieses Unternehmen? Warum gibt es keine öffentlich sichtbare Geschäftstätigkeit? Banken lehnen solche Anträge häufig ab, weil sie das Risiko von Geldwäsche oder Steuerhinterziehung nicht ausschließen können.
Die Webseite muss nicht perfekt sein, aber sie sollte professionell wirken und das Geschäftsmodell klar darstellen. Ein Impressum mit den Unternehmensdaten, eine Beschreibung der Dienstleistungen oder Produkte, idealerweise auch Kontaktmöglichkeiten und Informationen zu den Gründern.
Wer als Non-Resident eine US-Gesellschaft gründet und ein Bankkonto braucht, sollte von Anfang an realistisch planen. Der einfachste Weg führt oft über eine persönliche Reise in die USA. Einige Banken, speziell regional agierende Community Banks, eröffnen Konten für Non-Residents, wenn diese persönlich vorbeikommen.
Der Ablauf: Gesellschaft gründen, alle Dokumente vorbereiten, Termin bei einer Bank vereinbaren, nach Amerika fliegen, Konto eröffnen. Das ist aufwendig und kostet Geld, aber es funktioniert. Manche Registered Agents bieten auch Unterstützung bei der Kontoeröffnung an und vermitteln Kontakte zu Banken, die Non-Residents akzeptieren.
Die Alternative sind spezialisierte Fintech-Anbieter, die keine physische Anwesenheit verlangen. Diese Anbieter funktionieren oft digital und akzeptieren Non-Residents. Die Konditionen sind aber häufig schlechter als bei traditionellen Banken – höhere Gebühren, eingeschränkte Services, Limits für Transaktionen.
Eine weitere Möglichkeit ist die Einbindung eines US-Residents als Officer oder Manager. Wenn die LLC einen Manager hat, der in den USA lebt, wird die Kontoeröffnung deutlich einfacher. Das ist natürlich nur praktikabel, wenn man jemanden hat, dem man vertraut und der bereit ist, diese Rolle zu übernehmen.
Manche Gründer versuchen, ohne US-Bankkonto zu operieren und nutzen stattdessen Payment-Dienste wie PayPal, Stripe oder Wise. Das kann für bestimmte Geschäftsmodelle funktionieren, stößt aber in der Regel schnell an Grenzen.
Viele US-Geschäftspartner verlangen ein echtes US-Bankkonto für Zahlungen per ACH oder Wire Transfer. Ohne Bankkonto können keine Schecks eingelöst werden – und Schecks sind in den USA immer noch verbreitet. Bestimmte Geschäfte, etwa Immobilienkäufe oder größere B2B-Transaktionen, sind ohne Bankkonto praktisch unmöglich.
Unabhängig davon, ob US-Resident oder Non-Resident: Eine gute Vorbereitung erleichtert die Kontoeröffnung erheblich.
Alle Dokumente sollten vollständig und korrekt vorliegen. Fehlende Unterlagen oder Unstimmigkeiten in den Papieren führen zu Verzögerungen oder Ablehnungen. Die Organizational Minutes sollten klar regeln, wer zeichnungsberechtigt ist. Bei mehreren Officers oder Managern muss die Banking Resolution eindeutig festlegen, wer Zugriff auf das Konto hat.
Das Geschäftsmodell sollte klar und transparent dargestellt werden. Banken sind skeptisch bei vagen Beschreibungen oder Geschäftsmodellen, die schwer nachvollziehbar sind. Eine gut gemachte Webseite, klare Geschäftsdokumente und eventuell bereits bestehende Kundenverträge helfen, Vertrauen zu schaffen.
Die Wahl der richtigen Bank ist entscheidend. Nicht jede Bank ist für jedes Geschäftsmodell geeignet. Online-Banken sind oft schneller und unkomplizierter, haben aber manchmal eingeschränkte Services. Traditionelle Banken bieten mehr Stabilität, verlangen aber auch mehr Dokumentation. Bei internationalen Transaktionen sollten die Gebühren genau verglichen werden.
Für Non-Residents lohnt es sich, vorab bei mehreren Banken anzufragen, ob sie grundsätzlich bereit sind, ein Konto zu eröffnen. Viele Banken lehnen Non-Residents pauschal ab – das im Vorfeld zu klären, spart Zeit und Frustration.
Die Kontoeröffnung kann durchaus mehrere Wochen dauern, speziell wenn die Bank zusätzliche Informationen anfordert oder wenn Compliance-Prüfungen durchgeführt werden. Gründer sollten diesen Zeitraum einplanen und nicht davon ausgehen, dass das Konto innerhalb weniger Tage nutzbar ist.
Wer mit der Kontoeröffnung scheitert, sollte nicht aufgeben. Eine Ablehnung bei einer Bank bedeutet nicht, dass alle Banken ablehnen. Oft lohnt es sich, eine andere Bank zu versuchen oder die Dokumentation zu verbessern. Auch spezialisierte Berater oder Registered Agents können helfen, den richtigen Anbieter zu finden.
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