Learning Center
Alles Wichtige verständlich und kompakt erläutert
Die Domain-Frage gehört zu den strategischen Entscheidungen, die bereits vor der endgültigen Festlegung des Firmennamens geklärt werden sollten. Ein häufiger Fehler: Gründer verlieben sich in einen Firmennamen, registrieren die LLC und stellen dann fest, dass die passende Domain längst vergeben ist. Der Ärger ist vorprogrammiert, denn in der digitalen Wirtschaft ist der Name der Domain oft wichtiger als der Firmenname.
Eine fundamentale Erkenntnis vorweg: Der Domain-Name muss nicht mit dem juristischen Firmennamen übereinstimmen. Viele erfolgreiche Unternehmen trennen bewusst zwischen beiden.
Die International Business Machines Corporation ist weltweit nur als IBM bekannt und nutzt ibm.com. Alphabet Inc. ist praktisch unsichtbar – die Welt kennt nur google.com. Henkel verkauft Persil, aber niemand sucht nach henkel.com, wenn er Waschmittel kaufen will. Eine „Advanced Technology Solutions LLC" kann problemlos als atsolutions.com auftreten, solange die Domain verfügbar ist und der Bezug erkennbar bleibt.
Diese Trennung bietet strategische Vorteile. Der juristische Firmenname dient formalen Zwecken – Verträge, Behörden, Rechnungen. Die Domain hingegen ist das Aushängeschild im Markt. Sie muss merkfähig sein, Vertrauen schaffen und die Markenidentität transportieren. Der Firmenname kann durchaus sperrig sein – die Domain darf es nicht.
Für Geschäfte im amerikanischen Markt ist eine .com-Domain praktisch unverzichtbar. Über 75 Prozent der amerikanischen Internetnutzer tippen automatisch .com ein, wenn sie eine Firmenwebsite suchen. Alternative Endungen wie .net oder .biz werden als zweite Wahl wahrgenommen. Neue Endungen wie .io oder .consulting können in bestimmten Tech- oder Nischenbranchen funktionieren, verwirren aber die breite Masse der Konsumenten eher.
Die .com-Domain signalisiert Seriosität und Etabliertheit. Ein Unternehmen ohne .com-Präsenz wirkt in den USA unprofessionell oder wie ein Startup, das sich die richtige Domain nicht leisten konnte oder wollte.
Die Prüfung der Domain-Verfügbarkeit sollte systematisch erfolgen und mehrere Varianten umfassen.
Starten Sie mit der offensichtlichen Variante: Ihr Wunschname oder Ihre Hauptmarke mit .com. Nutzen Sie dafür Whois-Dienste wie whois.net oder die Suchfunktionen großer Registrare wie GoDaddy, Namecheap oder Google Domains. Die Abfrage ist kostenlos und zeigt sofort, ob die Domain verfügbar ist.
Prüfen Sie nicht nur die exakte Schreibweise, sondern auch Abkürzungen und Kurzformen (advancedtech.com statt advancedtechnology.com), Schreibweisen mit und ohne Bindestriche, Pluralformen und Singularvarianten sowie Branchenzusätze wie -solutions, -group, -services oder -hq.
Wenn die gewünschte Domain bereits registriert ist, steht oft ein Preisschild dran. Viele Domain-Inhaber sind professionelle Investoren oder Spekulanten, die Domains in der Hoffnung registrieren, sie gewinnbringend zu verkaufen. Diese „Domain-Squatter" setzen Domains auf Verkaufsplattformen wie Sedo oder Flippa – oder parken sie einfach mit einem „This domain is for sale"-Hinweis.
Die Preise variieren extrem und folgen keiner klaren Logik. Eine griffige, einprägsame Domain kann 2.000 Dollar kosten, eine scheinbar weniger attraktive 15.000 Dollar – je nachdem, welche Vorstellung der Besitzer vom Wert hat.
Die nüchterne Realität: In den meisten Fällen lohnt sich der Kauf nicht. Wer 5.000 Dollar für eine bereits vergebene Domain ausgibt, muss diesen Betrag erst durch bessere Auffindbarkeit oder höheres Vertrauen wieder hereinholen. Das gelingt selten. Eine kreative Alternative mit gutem Marketing schlägt fast immer eine teure Domain ohne Budget für alles andere. Die bessere Strategie: Investieren Sie die 5.000 Dollar lieber in eine verfügbare, merkfähige Alternative plus professionelles Webdesign und Online-Marketing.
Standard-.com-Domains kosten bei den großen Registraren wie GoDaddy, Namecheap oder Google Domains zwischen 10 und 20 Dollar pro Jahr. Für die meisten Gründer spielt es keine Rolle, ob der Registrar in den USA oder Deutschland sitzt – die Domain funktioniert global gleich. US-Registrare haben Vorteile bei der Abrechnung in Dollar und beim Support während US-Geschäftszeiten. Vorsicht vor Lockangeboten: GoDaddy wirbt oft mit 99 Cent im ersten Jahr, verlangt dann aber unter Umständen 40 Dollar für die Verlängerung.
Die .us-Endung unterliegt besonderen Beschränkungen durch den sogenannten Nexus-Nachweis. Nur wer eine nachweisbare US-Verbindung hat, darf eine .us-Domain registrieren: US-Staatsbürger oder Green Card-Inhaber, in den USA registrierte Unternehmen (LLC, Corporation), ausländische Firmen mit US-Niederlassung oder Organisationen mit Geschäftstätigkeit in den USA.
Deutsche, österreichische oder Schweizer Gründer einer US-LLC erfüllen diese Anforderungen automatisch durch ihre neue US-Gesellschaft und können damit .us-Domains registrieren. Der Registrar prüft die Berechtigung durch Abfrage der Unternehmensdaten.
Für die Domain-Registrierung werden benötigt: eine US-Geschäftsadresse (die Registered Agent-Adresse ist zulässig), eine US-Telefonnummer (die meisten Registrare verlangen diese für die Verifizierung) und eine E-Mail-Adresse. Die US-Telefonnummer ist meist die einzige Hürde für internationale Gründer. Apps wie Hushed, Burner oder MySudo bieten virtuelle US-Nummern für wenige Dollar pro Monat. Diese sind vollkommen ausreichend für Domain-Registrierungen und behördliche Zwecke.
Trotz erfüllter Voraussetzungen ist von .us-Domains für kommerzielle Zwecke in den USA meist abzuraten. Die .us-Endung wirkt auf amerikanische Konsumenten behördlich und wenig vertrauenswürdig. Große US-Unternehmen meiden diese Endung konsequent. Behörden nutzen in der Regel .gov statt .us. Viele Internetnutzer assoziieren .us dennoch mit Behörden, Bildungseinrichtungen oder Non-Profits – nicht mit gewinnorientierten Unternehmen. Für ein kommerzielles Business sendet eine .us-Domain die falschen Signale.
Die einzige Ausnahme: Wenn die .com-Variante absolut nicht verfügbar ist und das Geschäftsmodell stark lokal ausgerichtet ist, kann .us als Notlösung dienen. Ein Handwerksbetrieb in Miami könnte mit miamiplumber.us leben. Für alle anderen gilt: Investieren Sie lieber in eine ordentliche .com-Domain.
Die ernüchternde Realität: Bei über 150 Millionen registrierten .com-Domains sind viele attraktive Namen längst vergeben. Wenn die Wunschdomain besetzt ist, haben sich verschiedene Lösungsansätze bewährt.
Eine Möglichkeit sind Präfixe oder Suffixe. Square Inc. wich auf squareup.com aus, als square.com nicht verfügbar war. Dropbox startete mit getdropbox.com und investierte später Millionen in die kürzere Variante. Beliebte und funktionierende Präfixe sind „get" (getpersona.com), „try" (trynextiva.com), „use" (usefigma.com) oder „hello" (hellotext.com). Bei Suffixen funktionieren „-hq" (firmname-hq.com), „-app" (firmname-app.com), „-online" (firmname-online.com) oder geografische Zusätze wie „-usa".
Als weitere Möglichkeit bleiben alternative Endungen. In den USA akzeptabel sind .net (zweite Wahl, aber etabliert), .co (kurz und modern, in Tech-Kreisen akzeptiert) und branchenspezifische Endungen wie .tech, .consulting oder .services. Vermeiden sollten Sie .biz (wirkt billig), exotische Endungen, die niemand kennt, und Ländercodes außer .us und .co.
Die moderne Markenidentität beschränkt sich nicht auf die Website. Prüfen Sie parallel zur Domain auch die Verfügbarkeit auf wichtigen Social-Media-Plattformen: Instagram, Facebook, Twitter/X, LinkedIn und YouTube.
Ein einheitlicher Name über alle Kanäle hinweg erleichtert die Markenbildung erheblich. Wenn möglich, sichern Sie die Handles bereits vor dem offiziellen Launch.
Die Domain-Frage sollte parallel zur Namensentwicklung gedacht werden, nicht nachgelagert. Entwickeln Sie drei bis fünf Namensvarianten und prüfen Sie für jede die Domain-Verfügbarkeit. Ein griffiger Name mit verfügbarer .com-Domain ist wertvoller als der vermeintlich perfekte Name ohne passende Web-Adresse.
Wenn Sie zwischen zwei Namen schwanken und einer hat eine hervorragende Domain, der andere nicht – nehmen Sie den mit der Domain. Sie können die beste LLC der Welt gründen, aber ohne einprägsame Web-Präsenz bleibt der Geschäftserfolg im digitalen Zeitalter aus.
Bevor Sie eine Domain registrieren, sollten Sie allerdings noch die Markenrecherche abschließen. Eine verfügbare Domain bedeutet nicht automatisch, dass Sie sie rechtlich nutzen dürfen – im Streitfall kann der Markeninhaber über ein UDRP-Verfahren die Herausgabe der Domain erzwingen.
Sie haben Fragen zum Thema Firmengründung in den USA?
Gerne beantworten wir Ihnen diese in einem persönlichen Gespräch. Rufen Sie uns dazu einfach an, chatten Sie mit uns oder senden Sie eine Email.
Freecall DE/AT: 0800 400 43 40
Freecall CH: 0800 400 43 4
+1 929 2364 627
info@easy-inc.com
Auch interessant: